Tief "Axel"

Starkregen überschwemmt Straßen und Keller in der Ortenau – Großeinsatz in Kippenheim

kh/ksk/pam/bz/dpa

Von Karl Heidegger, Karl Kovacs, Patrik Müller, BZ-Redaktion & dpa

Di, 21. Mai 2019 um 07:22 Uhr

Südwest

Gewitter und heftige Regengüsse haben vielen Einsatzkräften in Südbaden einen stressigen Montagabend bereitet. Von den Überschwemmungen besonders betroffen war der Ortenaukreis.

Dort liefen in der Region zwischen Lahr und Ettenheim mehrere Keller voll, Straßen waren überflutet. Auch die Feuerwehren aus Emmendingen und Teningen mussten am Montag mehrfach ausrücken, meist ebenfalls wegen voll gelaufener Keller und überschwemmter Straßen. In Emmendingen waren drei Bahnunterführungen überschwemmt worden, im Teninger Ortsteil Heimbach lief der Dorfbach über. Bereits am Montagmorgen war in Emmendingen-Kollmarsreute das Kirchgäßle nach einem Erdrutsch von Schlamm bedeckt gewesen. Emmendingens Feuerwehrkommandant Ralf Kesselring hat dabei eine Auffälligkeit festgestellt: "Wir hatten nicht die Masse an Einsatzstellen, die wir üblicherweise haben. Normalerweise haben wir bei solchen Unwettern mehr überschwemmte Keller, aber deutlich kürzere Pumpzeiten. Wir hatten jetzt einen Einsatz, da waren wir vier Stunden beschäftigt, weil immer wieder Wasser nachgelaufen ist."

Unwetter über der Ortenau führt zu Großeinsatz in Kippenheim

Brennpunkt im Südwesten war jedoch die Ortenaugemeinde Kippenheim, über der am Spätnachmittag ein gewittriges Unwetter mit enormen Regenmassen und teils auch Hagel niederging. Das Wasser stand auf den Straßen des Ortskerns, weil die Kanalisation am Anschlag war. Die Feuerwehr und weitere ehrenamtliche Helfer waren im Dauereinsatz.

In Folge des Starkregens, schreibt die Feuerwehr Kippenheim auf ihrer Facebook-Seite, "konnte der Mühlbach diese Menge in dieser kurzen Zeit nicht mehr aufnehmen. Dies hatte zur Folge, dass es etwa im Bereich Querstraße zu einer Überflutung von circa einem halben Meter kam." Im Ortenaukreis war zudem der bergige Osten des Ortenaukreises mit dem Kinzigtal betroffen.

In Ettenheim war die Feuerwehr gleich zu drei Orten unterwegs. Beim Schwimmbad am Ortsausgang in Richtung Ettenheimweiler hatte der heftige Regen die Kreisstraße überflutet und auch Schlamm und Geröll vom Berg mitgenommen. Die Kanalisation konnte offensichtlich die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, weshalb es ein Gullideckel durch den Wasserdruck aus seiner Verankerung riss und auf die Straße spülte. In Münchweier lief Regenwasser in einen Keller. Die Feuerwehr musste Pumpen einsetzen, um den Raum wieder trocken zu legen. Auch nach Wallburg musste die Feuerwehr ausrücken. Dort war ein Schlafzimmer in einer Kellerwohnung voll gelaufen. Im Breisgau gab es ebenfalls vereinzelte Wasser-Einsätze, etwa in Gundelfingen.

Hochwasseralarm im Allgäu

Mit Gewittern und Starkregen war Tief "Axel" am Montagabend über weite Teile Deutschlands gezogen. In Baden-Württemberg gingen die meisten Wassermassen im südöstlichen Landesteil nieder. So löste Wangen im Allgäu Hochwasseralarm aus. Der Fluss Obere Argen, der durch die Stadt fließt, habe den Auslösepegel für den Alarm von 2,30 Metern um 1.30 Uhr überschritten, sagte ein Sprecher. Die Behörden setzten einen Hochwasser-Einsatzplan in Kraft, verteilten Sandsäcke und richteten ein Bürgertelefon sowie einen Liveticker ein.

In Berlin riefen die Einsatzkräfte sogar zeitweise den Ausnahmezustand aus. Das bedeutet, dass die Wetter-Einsätze dann nach Wichtigkeit bearbeitet werden, nicht nach dem Eingehen der Notrufe. Am Hauptstadt-Flughafen Tegel wurde die Abfertigung kurz unterbrochen, auf dem Flughafen Schönefeld kam es wegen des Gewitters zu Verzögerungen.

Bis Mittwoch bleibt es nass

Die Autobahn 4 zwischen Herleshausen (Hessen) und Gerstungen (Thüringen) musste in einer Richtung wegen überfluteter Fahrbahn gesperrt werden, wie die Polizei Fulda mitteilte. Auch Thüringen, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen waren betroffen.

"Eine stabile Hochdruckwetterlage ist derzeit noch nicht in Sicht." DWD
Und es bleibt nass: Bis Mittwoch könnten bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter niedergehen, im Allgäu sogar mehr als 100 und bis zu 180 Liter. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für ganz Mai liege in Frankfurt bei etwa 84 Liter Regen pro Quadratmeter, sagte ein Meteorologe. Auch im Schwarzwald dürften bis Mittwoch Niederschläge von teils 80 bis 100 Liter pro Quadratmeter niedergehen, so der DWD.

Der DWD erwartet zudem auch noch einige teils schwere Gewitter. Am Donnerstag soll dann ein Zwischenhoch vorerst für Entspannung sorgen. Aber: "Eine stabile Hochdruckwetterlage ist derzeit noch nicht in Sicht."