Statue für die Ahnengalerie

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Von teli

Fr, 10. Mai 2019

Straßburg

BLICK INS ELSASS: Ehrung für Vater der Freien Reichsstadt / Wiederaufnahme der Müllverbrennung.

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet immer samstags unser "Blick ins Elsass".

Liebenzeller-Figur

Straßburg ist um ein Standbild reicher: Seit zwei Wochen erhebt sich Reinhold Liebenzeller 2,5 Meter hoch auf dem Place des Tripiers, den Blick fest auf das Münster gerichtet, die Hände auf seine Armbrust gestützt. Dass sich jeden Samstag zu seinen Füßen Flohmarkt-Publikum tümmelt, ficht den in Bronze gegossenen Ritter nicht an. 1262 hat er – so ist es überliefert – die Schlacht von Hausbergen gegen Bischof Walter von Geroldseck gewonnen, Straßburg so der Herrschaft der Kirche entrissen und der Verwaltung der reichen Bürgerfamilien der Stadt unterstellt und damit die Grundfeste für die Freie Reichsstadt gelegt, die bis 1682 existieren sollte. Sein Name, so war es nach der Enthüllung der Statue zu lesen, stehe auch heute noch für Freiheit. Reinhold Liebenzeller habe es Straßburg ermöglicht, den oberrheinischen Humanismus zu entwickeln und eine Rolle in Europa zu spielen. Straßburg stehe für das Europa der Freiheiten, wiederholte Oberbürgermeister Roland Ries bei der Einweihungszeremonie und untermauerte damit erneut den Anspruch der Stadt, der natürliche Sitz des europäischen Parlaments zu sein. Die Stiftung für Straßburg, angeführt von Jean-Louis de Valmigère, hat die Herstellung der Statue ermöglicht; Antonio Tajani, der Präsident des Europäischen Parlaments hat das Projekt laut einem Bericht der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace, von Anfang an unterstützt; er war bei der Enthüllung zugegen. Liebenzeller hat damit seinen Platz in der Straßburger Ahnengalerie, er steht in einer Reihe mit anderen auf den Sockel gehobenen Männern, wie Gutenberg, Charles de Foucould, Gandhi, Pierre Pflimlin, Goethe, Leclerc, Kléber, dem Chemiker Wurtz und dem Präfekten Lezay-Marnésia.

Bettel-Verbot

Seit vielen Jahren bereits liegt die Straßburger Händlervereinigung Oberbürgermeister Roland Ries in den Ohren, er möge doch endlich etwas gegen die Bettler in der Innenstadt unternehmen – und zwar vor allem gegen jene, die Passanten direkt und bisweilen aggressiv angehen. Das hat er nun getan und gemeinsam mit seinem für Sicherheit zuständigen Beigeordneten Robert Herrmann einen Erlass auf den Weg gebracht, der aggressives Betteln bis zum 30. September und während des Weihnachtsmarkts an allen Tagen im Zeitraum von 10 bis 20 Uhr verbietet. Im Visier hat die Stadtführung damit vor allem Gruppen, häufig in Begleitung großer Hunde. Das Verbot gilt für drei Bereiche im Zentrum der Innenstadt: den Place du Temple-Neuf, den Place du Marché-Neuf und die Rue des Grandes-Arcades. Während den Einzelhändlern der Erlass nicht weit genug geht – sie sähen auch den Bereich der Grand-Rue und Fossé-des-Tanneurs gerne mit eingeschlossen –, ernten OB und Beigeordneter harsche Kritik von Gemeinderäten, sogar aus den eigenen Reihen. Die Stadt gehöre allen, heißt es, der Erlass wolle die Obdachlosen in Bereiche verbannen, wo sie weniger gesehen würden; damit solle die existierende Armut versteckt oder gar bestraft werden, wird argumentiert. Robert Herrmann hält den Kritikern entgegen, dass die Stadt gemeinsam mit dem Staat zwölf Millionen Euro aufwende, um Obdachlose unterzubringen. Roland Ries betont, dass sich der Erlass nur gegen aggressives und organisiertes Betteln richte. Nun soll im Laufe des Sommers eine Auswertung der Auswirkungen vorgenommen werden.

Neustart

Die Straßburger Hausmüllverbrennungsanlage wird nach fast dreijährigem Stillstand ihren Betrieb nun schrittweise wieder aufnehmen: Anfang Juni soll der erste Müllofen wieder in Betrieb gehen, Mitte Juni der zweite und Anfang Juli der dritte und letzte. Die vierte Verbrennungslinie bleibt stillgelegt, weil es der Eurométropole gelungen ist, das Müllaufkommen auf ihrem Gebiet zu reduzieren. Die Anlage ist in der Zeit ihres Stillstandes aufwendig renoviert und vor allem von Asbest befreit worden. Nach den Verbrennungsöfen wurden die giftigen Fasern auch in den Fassaden der Gebäude entdeckt; auch diese wurden komplett erneuert. Bei Messungen im Umfeld der Anlage konnten laut einem Bericht der Eurométropole keine Asbestfasern außerhalb des Betriebsgeländes nachgewiesen werden. Galt die Müllverbrennungsanlage auf der Rohrschollen-Insel in den 1980er-Jahren und bis Mitte der 1990er-Jahre noch als wahrhafte Dreckschleuder und verursachte mit Dioxin- und Furan-Emissionen auch auf der Kehler Rheinseite Angst und Unbehagen, haben seither mehrere große Sanierungen und Modernisierungen stattgefunden, vor allem in den Jahren 1995 und 2005. Damals wurde für 40 Millionen Euro eine Rauchgasreinigungsanlage installiert, wie Robert Herrmann, der Präsident der Eurométropole in der gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte von Kehl und Straßburg berichtete. Bereits die vor Beginn der Sanierung 2016 in der Abluft gemessenen gemessenen Konzentrationen von Stickoxiden lagen mit 30,12 mg/Nm3 Luft deutlich unter dem Grenzwert von 80 mg/Nm3. Gleiches gilt für Dioxine und Furane mit 0,003 ng I-TEQ/Nm3 bei einem Grenzwert von 0,1 ng I-TEQ/Nm3.

Kunst im Münster

Seit 15 Jahren hat der Maler Christoff Baron davon geträumt, seine Werke im Straßburger Münster zeigen zu können. Am Donnerstag wurde sein Traum wahr und seine Ausstellung eröffnet, die noch bis zum 26. Juli dort zu sehen sein wird. Szenen aus dem Leben von Jesus hat der Künstler auf Holz gemalt; die Bretter stammen alle von Paletten oder Gerüsten. Die Bildtafeln sind sehr groß, um der Dimension der Kathedrale gerecht zu werden. Christoff Baron, der auch Comic-Autor ist, mischt seinen sehr realistischen und zeitgenössischen Stil mit der Ikonenmalerei. Für Kirchen in Illhaeusern, Ribeauvillé und Graufthal hat er ebenso bereits Auftragsarbeiten realisiert wie für eine Kirche in Beirut. Parallel zur Ausstellung im Münster zeigt die Galerie Bertrand Gillig (11, Rue Oberlin) vom 16. bis zum 26. Mai profane Werke des Malers.

Rock, Pop, Jazz, Elektro:

Die vielfältige Künstlerin Lou Doillon mischt ihre Indie-Pop-Songs gerne mit elektronischen Klängen; am Dienstag möchte sie im großen Saal der Laiterie mit ihrer Stimme überzeugen. Schweres schwarzes Metall bringen Samael am Donnerstag aus der Schweiz in den Club der Laiterie. Mit Techno und House können die Fans die Nacht von Freitag, 17. auf Samstag, 18. Mai, durchfeiern: Sam Paganini wird sie wachhalten. Reservierungen für alle Konzerte in der Laiterie unter Tel. 0033-3-88-237237.

Klassik

Kompositionen von Rachmaninov interpretiert das Philharmonische Orchester unter der Leitung vom Marko Letonja am morgigen Samstag von 20 Uhr an im Musik- und Kongress-Palast. Solist ist Adam Laloum am Klavier. Werke von Bizet, Beethoven, Mozart, Grieg und Dvorák hat sich ein Kammermusikensemble aus dem Kreis der Philharmoniker für ihre Konzerte am Sonntag vorgenommen: Das Spektakel musikalischen Humors wird um 11 Uhr und um 17 Uhr im Straßburger Konservatorium aufgeführt.
Ebenfalls Kammermusik – mit Strawinskys Geschichte vom Soldaten – steht am Freitag, 17. Mai, von 18 Uhr an in der Aubette am Kléber-Platz auf dem Programm einiger Philharmoniker. Familienkonzerte gibt das Philharmonische Orchester am Samstag, 18. Mai, um 11 Uhr und um 17 Uhr, im Musik- und Kongress-Palast. Dabei werden unter der Leitung von Marko Letonja Werke von Beethoven gespielt. Reservierungen für alle Konzerte der Philharmoniker unter Tel. 0033-3-68-986815. Musikalische Werke, welche die Gefühlswelt Südamerikas widerspiegeln, sind Gegenstand des lyrischen Mittags am morgigen Samstag von 11 Uhr an in der Straßburger Rheinoper. Zu Akkordeon, Gitarre, Klavier und Gesang wird dabei auch getanzt. Einen Liederabend mit Véronique Gens findet am Dienstag um 20 Uhr in der Rheinoper statt. Begleitet von Susan Manoff am Klavier singt die Sopranistin Lieder von Varney, Duparc, Dubois, Chausson, Fauré, Lalo, Offenbach, Hahn und Poulenc. Reservierungen für alle Veranstaltungen in der Rheinoper unter Tel. 0033-3-68-987593.