Karlsruhe

Streit ums neue KSC-Stadion zwischen Stadt und Verein eskaliert

Stefan Jehle

Von Stefan Jehle

Mo, 23. September 2019 um 09:01 Uhr

Karlsruhe

Der Fußball-Zweitligist streitet mit der Stadt Karlsruhe, die den Neubau finanzieren soll, über Details des Stadions. Oberbürgermeister Mentrup sieht das Vorhaben mittlerweile "am Rande des Scheiterns".

Es ist ein bizarrer Streit, der derzeit in Karlsruhe ausgetragen wird. Nach einem geplatzten Gütetermin vor Gericht hat Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) am vergangenen Freitag erstmals öffentlich seinem Unmut Luft gemacht. Mentrup sieht den Stadionneubau "am Rande des Scheiterns", sagte er. Der Karlsruher SC, der zu Beginn dieser Saison in die Zweite Bundesliga zurückkehrte, hatte zuvor im Juli Klage gegen die Stadt eingereicht.

Karlsruhes Rathauschef redete sich vor mehreren Dutzend Pressevertretern in einem halbstündigen Monolog in Rage. Mit einer Klage vor dem Landgericht verfolge der KSC vier einstweilige Verfügungen: Unter anderem wolle der Verein Einsicht haben in Vertragsunterlagen der Stadt, fordere "ein umfassendes Informationsrecht". Vollends absonderlich wirke der Schriftsatz des Bundesligisten, wenn dort von "einer möglichen Ordnungshaft gegen den Herrn Oberbürgermeister bis zu sechs Monate" die Rede sei.

Stadt und Steuerzahler sollen den Bau zu nahezu 100 Prozent finanzieren

20 Jahre währt die Debatte um den Neubau einer Fußballarena im Karlsruher Wildpark (an gleicher Stelle wie bisher) schon. Seit November 2018 laufen erste wichtige Vorarbeiten, Teile der Stadionwälle wurden abgetragen – provisorische Tribünenbauten aufgestellt. Dazu muss man wissen: Der in den vergangenen Jahren finanziell eher klamme KSC wird sich nur in einigen wenigen Punkten finanziell am Bau beteiligen. Stadt und Steuerzahler sollen den Bau zu nahezu 100 Prozent finanzieren. Das mit einem langfristigen Pachtvertrag gefundene Modell der Refinanzierung (in 35 Jahren) durch den KSC bleibt eher vage. Eigentlich war für November die Baugenehmigung zur Erstellung des Stadion-Baukörpers erwartet worden. Doch das steht nun infrage.

Der KSC fürchtet wohl um die Vermarktbarkeit der VIP-Bereiche im Stadion. Aus statischen Gründen sind in dem dort integrierten 2000 Quadratmeter großen Business-Bereich 48 Betonstützen vorgesehen, die – so der KSC – "den Blick auf die Stadionbühne verhindern". OB Mentrup hält eine Umplanung nicht für machbar, wenn man "im Kostenrahmen bleiben wolle" – auch bei Erstligist TSG Hoffenheim seien solche Stützen im VIP-Bereich "Standard". Die Stadt, sagt Mentrup, übernehme "in hohem Maße ein wirtschaftliches Risiko mit dem Stadionbau". 123 Millionen soll dieser kosten. Das ficht das Präsidium um den KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther, der seit 2002 auch CDU-Kreisvorsitzender ist, offenbar nicht an. Der OB deutete nun an, möglicherweise in diesem Herbst die bestehenden Pachtverträge mit dem KSC aufzukündigen. Als eine Art "Ultima Ratio". An diesem Montag wird erstmal öffentlich vor dem Landgericht verhandelt.