Stadtentwicklung

Wie Menschen die Städte erobern und beleben

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 02. Dezember 2019 um 06:01 Uhr

Basel

Ein Podium in Basel befasste sich mit der Veränderung von Stadträumen und mit den veränderten Gewohnheiten ihrer Bewohner. Der "urban Sound" kann allerdings zum Problem werden.

Wem gehört die Stadt? Die Frage ist so rhetorisch wie die Antwort, sie gehöre allen. Fest steht, dass gesteuerte Entwicklung den vielfältigen Interessen der Stadt und ihrer Bewohner gerecht werden muss und ein hohes Konfliktpotenzial bietet. Die sich permanent erneuernde Stadt und ihre Planer im Zielkonflikt waren Thema eines öffentlichen Podiums in Basel.

Alte Industrieareale ändern sich am sichtbarsten, Veränderung ist aber nicht nur hier die Konstante. Während die Basler Chemie- und Pharmaproduktionsorte von einst in unseren Tagen Forschungslaboren und Schaltzentralen des Managements weichen, im Rhein längst wieder gebadet, innerstädtischer Wohnraum aber auch immer unbezahlbarer wird, sieht sich die Bevölkerung mit ihren Anliegen oft nicht gehört und gehen nicht nur Alteingesessene auf die Barrikaden.

Der öffentliche Raum wird neu besetzt

Wo nicht mehr produziert wird, entfallen produktionsbedingter Lärm und Gerüche, wo aber Aufenthaltsqualität zunimmt, wird auch der öffentliche Raum neu besetzt. Zwischen öffentlichem und privatem Raum und Interesse gelte es, ständig einen Ausgleich zu finden, sagte der Podiumsteilnehmer und Basler Stadtentwickler Lukas Ott. Mit Blick auf die Entwicklung des städtischen Raums gelte zweierlei, erklärte der als Fachmann eingeladene Berliner Stadtethnologe Wolfgang Kaschuba. "Wir alle sind kundig und zuständig", so der emeritierte Professor der Berliner Humboldt-Universität.

Dies sei aber nur eine Seite, gleichzeitig gelte: "Wir alle wissen auch, dass das Volk nicht nur klug ist." Ein anderes Problem ist der Lärm, der "urban Sound". So sieht Kaschuba eine zunehmende "Festivalisierung" der Stadtkultur: "Kultur ist zum Konzept und zum urbanen Kapital geworden." Gleichzeitig habe sich das Verständnis von öffentlichem Freiraum gewandelt. Sichtbarkeit spiele heute eine große Rolle, der neue Stadtmensch lebe mehr und mehr unter freiem Himmel.

Stadtentwicklung muss Wohnraum schaffen

Gleichzeitig fehlt in Basel genauso wie jenseits der Landesgrenzen bezahlbarer Wohnraum. Ihn zu verteidigen und neu zu schaffen, aber auch eine Durchmischung zu erhalten, das müsse Stadtentwicklung leisten, sagte der Basler Architekt Meinrad Morger. Könnten sich nämlich nur noch Wohlhabende ein Leben in den Zentren leisten und würden alle anderen an den Rand gedrängt, drohe Ghettoisierung.