Adidas schließt seine deutsche Laufschuhfabrik

Thomas Magenheim-Hörmann

Von Thomas Magenheim-Hörmann

Di, 12. November 2019

Wirtschaft

Hochautomatisierte Fertigung erfüllt die Erwartungen nicht.

HERZOGENAURACH. Der Traum, die Herstellung von Sportschuhen nach Deutschland zurückzuholen, ist ausgeträumt. Adidas stellt die Fertigung von Sportschuhen in Ansbach und Atlanta ein. Die Technologie wandert nach Asien ab.

Adidas wollte hochautomatisiert Sportschuhe im 3-D-Druck-Verfahren dort herstellen, wo die meisten Kunden sitzen. Erste Prototypen dieser Roboterfabriken wurden vor gut drei Jahren erst im fränkischen Ansbach und dann in Atlanta in den USA eröffnet. Etwa eine Million Paar Schuhe wurden dort zuletzt pro Jahr gedruckt. Damit ist spätestens im April 2020 Schluss. Denn die Produktion werde eingestellt, die Technologie Ende 2019 zu zwei Zulieferern nach China und Vietnam verlagert, kündigte Adidas-Vorstand Martin Shankland an.

"Wir bedauern sehr, dass unsere Zusammenarbeit in Ansbach und Atlanta endet", sagte der Manager. Betroffen ist in erster Linie Adidas-Technologiepartner Oechsler, der die beiden Fabriken betreibt und nun 170 Stellen abbauen muss. Die Fabrik in Atlanta werde komplett geschlossen, die in Ansbach produziere weiter Sohlen, aber keine kompletten Schuhe mehr, sagte eine Oechsler-Sprecherin. "Wir bedauern diese Entscheidung", stellte Oechsler-Chef Claudius Kozlik mit Blick auf Adidas klar.

Technologisch habe alles funktioniert, beteuert eine Adidas-Sprecherin. Es habe sich aber gezeigt, dass es ökonomisch sinnvoller sei, die innovative Technologie in bestehende Zulieferstrukturen zu integrieren. Vor dreieinhalb Jahren hatte sich das noch ganz anders angehört. "Mit der Speedfactory revolutionieren wir die Industrie", hatte der damalige Adidas-Chef Herbert Hainer damals getönt. Auf mittlere Sicht werde man in allen großen Absatzmärkten Adidas-Speedfactories finden, um die Produktion wieder hin in die Abnehmermärkte zu verlagern. Made in Germany sollte wieder zum Verkaufsargument werden.

Daraus wird nun nichts. In asiatischen Zulieferstrukturen könne die Technologie aber auch die Fertigungszeiten verkürzen und die Produktion flexibilisieren, beteuern die Herzogenauracher. Durch die Speedfactory-Technik werde es statt bisher 18 Monate nur wenige Wochen dauern, bis ein neues Modell entworfen sei und in den Geschäften ankomme. Adidas will in Asien künftig nicht nur Laufschuhe, sondern auch Lifestyle-Modelle mit der Technik fertigen und das 3-D-Druck-Fertigungsvolumen in ungenanntem Umfang ausweiten.

Für die Technik gab es Geld vom Staat

Zuletzt haben die Franken gut 400 Millionen Paar Schuhe aller Art zu weit über 90 Prozent bei asiatischen Zulieferern fertigen lassen. Die Produktion in Deutschland und den USA mit insgesamt einer Million Paar war also erst ein kleines Pflänzchen, das nun in China und Vietnam weiterwächst. Die Speedfactory-Technologie ist erst voriges Jahr mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet und als Forschungsprojekt hierzulande auch staatlich gefördert worden.

Innovative Prozesstechnik erforscht Adidas weiter im sogenannten Adidas-Lab in Scheinfeld nahe Herzogenaurach. Man kooperiere auch weiter mit Oechsler. Noch nicht ausgeträumt ist die Vision, in Adidas-Läden individualisierte Einzelmodelle per 3-D-Druck zu fertigen, erklärte eine Firmensprecherin. Wann das einmal sein könnte, wollen die Herzogenauracher aber nach den Erfahrungen mit Speedfactory nicht genauer angeben.