Aldi verlangt Geld für Plastikbeutel

Erich Reimann

Von Erich Reimann (dpa)

Mi, 12. Juni 2019

Wirtschaft

Verpackungen für Obst und Gemüse sollen einen Cent kosten / Kritik von Umweltschützern.

ESSEN. Die klassischen Plastiktüten sind im deutschen Lebensmittelhandel kaum noch zu finden. Doch dünne Plastikbeutel zur Verpackung von losem Obst und Gemüse werden nach wie vor milliardenfach verwendet. Dagegen will Aldi nun etwas tun. Der Discounter kündigte am Dienstag an, er werde im Interesse des Umweltschutzes die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel abschaffen.

Wer bei dem Billiganbieter beim Einkauf von Äpfeln, Birnen oder Tomaten nicht auf den Knotenbeutel verzichten will, muss dafür von Sommer an einen Cent pro Stück zahlen, wie das Unternehmen ankündigte. Dafür ist der Beutel dann aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor über die Aldi-Pläne berichtet. Bei Umweltschützern und anderen Handelsketten stieß der Vorstoß des Händlers allerdings auf Kritik.

Bisher bieten die großen Lebensmittelhändler die dünnen Kunststoffbeutel in ihren Obst- und Gemüseabteilungen in der Regel noch kostenlos an. Aldi will dies jedoch beenden. "Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen. Denn nur durch eine branchenweite Lösung können wir bei der Reduzierung der Plastiktüte einen großen Schritt nach vorne machen", sagte Aldi-Managerin Kristina Bell. Die Erfahrung bei den normalen Plastiktüten habe gezeigt, dass Umdenken einsetze, wenn Geld verlangt werde.

Der Verbrauch an klassischen Plastiktüten ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken, wohingegen auch 2018 in Deutschland nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch rund drei Milliarden der dünnen Knotenbeutel verbraucht wurden – und damit ähnlich viele wie in den Jahren zuvor.

Bei Umweltschützern stieß die Aldi-Initiative dennoch auf erhebliche Vorbehalte. Die Deutsche Umwelthilfe bewertete den Schritt als "reine Symbolpolitik". Ein signifikanter Lenkungseffekt sei bei einem derart niedrigen Preis nicht zu erwarten. Auch Greenpeace-Sprecherin Viola Wohlgemuth bezeichnete die Initiative als "Augenwischerei". Der Umstieg auf Bioplastik sei keine Lösung, denn auch dieses Material brauche sehr lange, bis es verrotte. Wenn Aldi hier wirklich etwas tun wolle, müsse es das Einkaufen von unverpackten Produkten aktiv fördern. "Toll wäre es, wenn es einen Preisnachlass für unverpackt gekaufte Ware geben würde, statt mehr Geld für die Beutel zu nehmen. Das könnte gerade bei der preisorientierten Kundschaft von Aldi funktionieren", sagte sie.

Kritik an Aldis Vorstoß kam von anderen Einzelhändlern. Ein Edeka-Sprecher verwies darauf, dass die Knotenbeutel im Discounter ohnehin kaum eine Rolle spielten, da dort nur wenige Produkte lose verkauft würden. Auch, dass die Kunden künftig für die Beutel in die Tasche greifen sollen, wurde kritisiert. "Bisher werden die Kontenbeutel dem Kunden frei zur Verfügung gestellt. Diesen Service lässt sich Aldi zukünftig bezahlen und verdient auch noch an der Maßnahme", rügte der Edeka-Sprecher. Lob gab es vom Marketing-Experten Martin Fasnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf: "Aldi macht das sehr gut. Der Discounter tut etwas für die Umwelt. Das hilft seinem Image. Gleichzeitig ist der Preis klug gewählt. Ein Cent pro Tüte, das passt einfach. Drei oder fünf Cent wären zu viel."