Besuch im Kieswerk

Aus Kippenheimweiler wird auch für das neue SC-Stadion geliefert

Heidrun M. Lauble

Von Heidrun M. Lauble

Mi, 11. September 2019 um 09:31 Uhr

Lahr

Im Rahmen der BZ-Sommeraktion haben Leserinnen und Leser das Kieswerk am Waldmattensee besucht. Dort erfuhren sie, wie Kies und Sand nutzbar gemacht werden.

Die Region ist reich an Baggerseen. Sie sind im Sommer beliebt als Badeseen. Manche sind längst nicht mehr bewirtschaftet, in anderen aber wird immer noch mit Spezialbaggern Kies abgebaut. Wie im Waldmattensee in Kippenheimweiler. Dortiger Kiesabbauer ist die Lahrer Firma Vogel-Bau GmbH. 13 interessierten BZ-Leser und -Leserinnen wurde jetzt ein Einblicke in das Kieswerk gegeben.

Bruno Schwendemann ist Verkaufsleiter der Vogel-Bau GmbH mit den Bereichen Kieswerke, Transportbeton, Asphaltmischanlage in Lahr und Steinbruch in Lahr-Reichenbach. "Wir gehen jetzt dem Kies hinterher", leitete er seine Führung nach seiner Begrüßung ein. Es geht zu dem endlos lang erscheinenden Förderband, das Badegäste an den gegenüberliegenden Badebereichen immer sehen – und hören. Auf ihm landet sämtliches Kies- und Sandgemisch, das auf dem hinteren Teil des Sees zuvor der sogenannte Schwimmgreifer in bis zu 60 Meter Tiefe aus dem Wasser gefördert hat.

Vier Kubikmeter Material holt der Greifer jedes Mal aus der Tiefe, etwa acht Tonnen, und das im Zwei-Minuten-Takt. Die Vogel-Bau GmbH arbeitet für ihren Kiesabbau mit Greifern, die über Seile hoch und runter geleitet werden; die andere Variante, wie teils von anderen Firmen verwendet, ist die Förderung mittels Hydraulik. Zwar läuft die Förderung im Automatikbetrieb, doch Vogel-Bau bemannt die Baggerkabine: "Damit einfach ein Mann direkt vor Ort ist, falls mal etwas nicht ganz klappt, wie es soll", erklärt Schwendemann.

"Der Worst Case ist, wenn auch die Seile reißen."

Bruno Schwendemann
Dieser Mann wiederum sieht anhand der Seilablauflänge und eines Displays, wie tief der Greifer ist, wenn er auf Material stößt, und gibt das Maß an den Abbauspezialisten durch, der im Werksbüro im Kieswerk sitzt. Und der macht die Vorgaben, wann es Zeit ist, dass der Schwimmbagger den Standort wechselt. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel in 60 Meter Tiefe kein Material mehr liegt, das im ganzen Abbauprozess eines Baggersees immer wieder aus dem Böschungsbereich, der Kante, unter Wasser nach unten rutscht.

Hinzu kommen staatliche Vorgaben: Für den Kiesabbau braucht es eine wasserrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt, die jeweils 15 Jahre läuft. Diese gibt vor, in welchen Böschungsbereichen was und wie viel geschöpft werden darf. "Dem ganzen liegen hydrogeologische Maßstäbe zugrunde", erklärt Bruno Schwendemann der BZ-Gruppe. Alle zwei Jahre prüft ein damit beauftragtes Ingenieurbüro, ob die Vorgaben eingehalten werden und leitet die Daten ans Landratsamt weiter. Dem ganzen übergeordnet ist der Regionalplan, in dem festgeschrieben ist, was in einem Gebiet überhaupt gewerblich zugelassen wird und anderes mehr.

Seit 1967 baut das Unternehmen Vogel-Bau im See im Gewann Waldmatt in Kippenheimweiler ab. "Jährlich im Durchschnitt 120 000 Kubikmeter, das entspricht etwa 220 000 Tonnen", antwortet Schwendemann auf eine Frage aus der Gruppe. Nach der Förderung aus dem See entstehen in einem Prozess über mehrere Förderbänder und Stationen Kies und Sand in verschiedenen Körnungen und Mischungen. Hauptkunde ist die ebenfalls auf dem Areal angesiedelte Firma SBL, Schwarzwälder Fertigbauteile Lahr, eines der neun Unternehmen der Vogel-Bau-Gruppe.

Die SBL bezieht hier den Beton, mit dem sie Fertigbauteile fertigt: "Die liefern doch auch für das neue SC-Stadion in Freiburg?", weiß ein Teilnehmer der Führung. "Ja, genau – schauen sie dort, da liegt ein Tribünenteil", zeigt Schwendemann mit dem Finger und betont, dass die SBL die gesamte SC-Tribüne liefert. Zweitgrößter Kunde nach SBL ist das ebenfalls Vogel-Bau-eigene Transportbetonwerk, das Flüssigbeton an Baustellen liefert. Baufirmen sind drittgrößter Kunde und schließlich noch "Privatleute, die mit dem Hängerle kommen", sagt Schwendemann.

Von einem Unfall beim Kiesabbau, bei dem der Mann im Bagger schwer verletzt wurde, weiß ein anderer Teilnehmer der Gruppe. "Das war aber nicht an einem unserer Baggerseen", sagt Bruno Schwendemann – Vogel-Bau betreibt Kiesabbau auch in Riegel, Kenzingen, Rust, Nonnenweier, Ottenheim und Ettenheim. Aber er erklärt, was passieren kann: "Wenn, während der Greifer unten in der Tiefe zupackt, zuviel Material von der Kante nachrutscht, kann es passieren, dass der Greifer verschüttet wird und nicht mehr hochkommt." Dann müssen Spezialtaucher ihn mit großen Pressluftballons freilegen. "Der Worstcase ist, wenn auch die Seile reißen. Dann geht nichts mehr – das ist uns in Nonnenweier passiert. Dort markiert eine Boje auf dem See, wo am Grund ein Greifer liegt." Und der, so Schwendemann weiter, bleibe solange in der Tiefe, bis durch den weiteren Kiesabbau der Greifer irgendwann frei liegt und geborgen werden kann.

Warum gibt es denn so viel Kies in der Region, auch diese Frage beantwortet der Verkaufsleiter: "Er kam vor Urzeiten durch eine Moräne aus den Alpen, die trug Kalkstein, Gneis, Granit und anderes Gestein mit sich." Im Waldmattensee seien 30 Prozent der Fördermenge Natursand, das heißt beim Fachmann Gestein in einer ganz kleinen Körnung von bis zu zwei Millimetern. Beträgt die Körnung gar weniger als einen Millimeter, muss dieser Sand separat ausgesiebt werden, weil er nicht für Beton geeignet ist.

So wie überhaupt während des ganzen Prozesses der gewonnene Kies mittels Förderbändern zu großen Sieben, Schöpfwerken gelangt und ganz am Ende sortiert in riesigen Silos, dem eigentlichen Kieswerk, landet. Bis dahin hat das Material so lange immer wieder die Runde gedreht, bis verschiedene Körnungen ausgesiebt und auch die Anteile unter ein Millimeter Größe rausgefiltert sind. Ursprünglich sind die Kiesel aus dem Waldmattensee "rund" und damit nur im Bau brauchbar. Nicht aber für Asphalt, weshalb die "Wacken" – große Kiesel ab 45 Millimeter – in einer Maschine "gebrochen, gesiebt, wieder gebrochen, gesiebt, gebrochen und so weiter" werden, so Schwendemann, bis sie eckiger Splitt sind.

Das Wasser aus der Waschung des Sandes, den das Kieswerk ebenfalls in verschiedenen Körnungen zum Beispiel für Spielplätze oder den Bau liefert, wird abgeleitet ins Absetzbecken – dort setzt sich Schlemmsand ab, der auf Baustellen verarbeitet wird. "Letztlich gibt es beim Kiesabbau keine Rückstände, die entsorgt werden müssen", schließt Schwendemann seine Ausführungen. "Der gewonnene Kies wird verarbeitet, das Wasser holen wir aus dem See und dort fließt es nach den Waschungen wieder rein. Einzige Ausnahme: Das Wasser, mit dem die Lkw-Trommeln des Transportbetons gewaschen werden – das wird direkt wieder für Transportbeton verwendet."

"Der Kies ist notwendig

für Straßen und Bauten,

die wir alle brauchen."

Bruno Schwendemann
Noch ein Abstecher ins Labor, wo Asphalte, Betonarten und Ähnliches geprüft und für bestimmte Aufträge kreiert werden, dann gibt es Brezeln und Getränke im Foyer. Zuletzt betont Schwendemann: "Wir führen gerne Besucher durchs Werk. Kieswerke haben leider ein schlechtes Image, obwohl der Kies und Sand, den wir abbauen und nutzbar machen, notwendig sind für Straßen und Bauten, die alle brauchen."
Alle Berichte der Aktion

Mit dem Besuch des Kieswerks in Kippenheimweiler ist die BZ-Sommeraktion zu Ende. Die Redaktion hat über die Sommerferien zwölf Besichtigungen angeboten. Für die zur Verfügung stehenden 250 Plätze waren 450 Bewerbungen eingegangenen. Leider konnten deshalb nicht alle Interessenten für jedes Angebot berücksichtigt werden. Besonders nachgefragt waren Zalando mit rund 100 Bewerbungen und die Hofbäckerei Schnebel in Ichenheim mit 60 Bewerbungen. Folgende Betriebe wurden besucht (mit Erscheinungsdatum in der Badischen Zeitung):
Aldi-Zentrallager Mahlberg ("In der größten Kühltruhe der Region"/2. August)
Asphaltmischanlage Lahr ("Neue Straßen aus alten Straßen"/3. August)
ZAK Ringsheim ("Eine Deponie mit grünem Daumen"/8. August)
Wagner System Lahr ("Die ganze Welt der Rollen"/13. August)
Bandagen Caroli ("Vom Stützmieder bis zur Gelenkschiene"/16. August)
Zalando Lahr ("Einblicke in die Welt von Zalando"/20. August)
Hofbäckerei Schnebel Ichenheim ("Schwungvoll entsteht die Dinkelbrezel"/22. August)
Holz 100 Friesenheim ("Viel Holz in der Hütte"/23. August)
Steinbruch Göhrig Kuhbach ("Den Stein ins Kippen bringen"/28. August)
Julabo Seelbach ("Beste Temperatur für Schokolade"/31. August)
Firma Neugart Kippenheim ("Mit Zahnrädern fing alles an"/3. September)