Einzelhandel

Bäcker beschweren sich über Kassenbonpflicht ab Januar

Norbert Wallet

Von Norbert Wallet

Sa, 16. November 2019 um 14:50 Uhr

Wirtschaft

Die deutschen Bäcker schlagen Alarm. Sie befürchten ab Januar in einer Bürokratielawine zu ertrinken. Genauer gesagt in einer Papierlawine. Ab Januar gilt nämlich die sogenannte Belegausgabepflicht.

Kunden müssen dann bei jedem Einkauf zwingend einen Kassenbon erhalten: kein Brötchen ohne Bon.

"Wir wären glücklich, wenn das Landesfinanzministerium die Finanzämter anwiese, ihre Praxis umzustellen, weil sie für die Bäckereien nicht zumutbar ist." Stefan Körber, Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Landesinnungsverbandes
Daniel Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks rechnet das bei rund 100 000 Kunden im Jahr pro Filiale auf über fünf Milliarden Bons aus Papier hoch. Stefan Körber, der Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Landesinnungsverbandes bezweifelt die Notwendigkeit. "Wenn der Kunde danach verlangt, bekommt er natürlich heute schon seinen Beleg." Den zusätzlichen Papierbedarf beziffert er auf "rund 140 Euro jährlich pro Kasse". Körber sieht eine Lösung für das Problem: "Wir wären glücklich, wenn das Landesfinanzministerium die Finanzämter anwiese, ihre Praxis umzustellen, weil sie für die Bäckereien nicht zumutbar ist."

Ausnahmen von der Belegpflicht sind nicht einfach so möglich

Darauf aber können die Bäcker nach Recherchen unserer Zeitung nicht hoffen. Die Schwellen für Ausnahmen von der Belegpflicht seien hoch, erklärte eine Sprecherin des Finanzministeriums in Stuttgart. Sie seien nur dann möglich, wenn der Aufwand unzumutbar sei.

"Mit dieser neuen Regelung tritt der Gesetzgeber Steuerausfällen bei bargeldintensiven Betrieben wie Bäcker, Metzger, Wirte, entgegen." Sprecherin des Finanzministeriums Stuttgart
"Bei den Gewerbetreibenden, die ohnehin Registrierkassen betreiben müssen, ist es jedoch kein unzumutbarer Aufwand, dass ein Beleg für den Kaufvorgang gedruckt wird", heißt es. "Denkbar" wären Ausnahmen "bei Verkaufsständen auf Wochenmärkten oder für Vereine, die auf dem Sommerfest Kuchen verkaufen".

Der Gesetzgeber wolle Manipulationen an Registrierkassen unterbinden. "Mit dieser neuen Regelung tritt der Gesetzgeber Steuerausfällen bei bargeldintensiven Betrieben wie Bäcker, Metzger, Wirte, entgegen", teilte die Sprecherin weiter mit. Dabei gehe der Gesetzgeber von Steuerverlusten "in Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro jährlich aus".