Das gläserne Konto

Ann-Kristin Wenzel

Von Ann-Kristin Wenzel (dpa)

Sa, 02. November 2019

Wirtschaft

Bankkunden können heute Internet-Zahlungsabwicklern und anderen Finanzinstituten Einblick in ihre Kassenbestände geben / Ist das zu riskant?.

Wie viel Gehalt geht jeden Monat auf dem Girokonto ein, wo lässt der Eigentümer besonders viel Geld – und kann die Urlaubsreise bezahlt werden? Antworten darauf bekommen Kontoinformationsdienste. Sie und Zahlungsauslösedienste erhalten Zugriff auf Konten – nachdem der Kunde ausdrücklich eingewilligt hat. Was bedeutet das für Verbraucher?

Schon bisher konnten Kunden Diensten erlauben, auf ihr Konto zuzugreifen. Seit dem 14. September dieses Jahres dürfen dies aber nur noch Dienste, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in einer Liste geführt werden. Die Institute müssen dafür passende technische Schnittstellen zur Verfügung stellen. Da sich die technische Umsetzung verzögert hat, dürfen aber vorerst auch ältere Schnittstellen verwendet werden.

Die Neuerungen sind Folge der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie der Europäischen Union – auch als PSD 2 bekannt. Damit wurden "neue einheitliche Rahmenbedingungen für Banken, Drittdienste und Kunden" geschaffen, wie Fabian Schuster vom Bundesverband deutscher Banken sagt.

Zwei Konzepte sind betroffen. "Kontoinformationsdienste führen die verschiedenen Girokonten in einer App zusammen", erklärt Yvonne Röhling von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Sie geben so eine Übersicht über die finanzielle Situation. Zahlungsauslösedienste wiederum sollen Online-Zahlungen erleichtern. Drittanbieter wickeln diese etwa für Internethändler ab, dafür brauchen sie Zugang zu den Kontodaten. Damit Firmen die Bafin-Zulassung erhalten, müssen sie sich unter anderem für den Haftungsausfall absichern.

Verbraucherschützer werten positiv, dass Verbraucher dem Zugriff nun ausdrücklich zustimmen müssen. Nutzer sollten sich aber bewusst sein, welche sensiblen Daten dies betreffe. "Aufgrund der Umsätze und der hinterlegten persönlichen Daten kann sich der Kontoinformationsdienst ein recht umfangreiches Bild vom Verbraucher machen und ist somit in der Lage, zielgerichtete Angebote zu unterbreiten", warnt Röhling. Zum Beispiel für den Wechsel des Stromanbieters oder für eine vermeintlich kostengünstigere Versicherung.

Immer nur sparsam Daten herausgeben

Daher betont Röhling: "Man kann Verbrauchern immer ganz klar raten, mit ihren Daten sparsam umzugehen. Sie sollten kritisch sein, welcher App sie welche Daten anvertrauen." Verbraucher sollten außerdem Angebote genau prüfen, die auf Grundlage ihrer Daten gemacht werden. Röhling rechnet damit, dass nur Produkte bestimmter Anbieter angeboten werden, die eine Provision zahlen.

In der Branche sieht man die positiven Seiten der Dienstleistungen. "Dem Nutzer wird damit die Hoheit über seine Daten zurückgegeben", sagt Stefan Krautkrämer vom Start-up Fintecsystems, einem technischen Dienstleister für Kontoinformations- und Zahlungsdienstleistungen. Kunden seien nicht mehr abhängig von den limitierten Finanzprodukten ihres Instituts oder den Kreditratings von Auskunfteien ausgeliefert.

Anders als Auskunfteien nutzen die Dienste Informationen zum aktuellen Kontostand statt Wahrscheinlichkeitsberechnungen, so Krautkrämer. Nicht nur der Bankberater habe so Einblicke in die Finanzsituation, auch Dritten könne dies gewährt werden. Dies ermögliche etwa, unkompliziert die Zahlungsfähigkeit für teure Reisen oder die Bonität für Kredite zu analysieren.