"Das Risiko bestmöglich verteilen"

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Sa, 16. November 2019

Wirtschaft

BZ-TELEFONAKTION GELDANLAGE: Experten empfehlen, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

FREIBURG. Was tun in Zeiten von Minizinsen? Welche Geldanlagen lohnen sich noch? Bei einer Telefonaktion am Donnerstag haben Experten vom Bundesverband deutscher Banken BZ-Lesern Tipps gegeben. Ein Aspekt kam dabei immer wieder zum Tragen: Risiken lassen sich zwar oft nicht vermeiden, aber doch ein Stück weit reduzieren.

» Wie soll ich 10 000 Euro anlegen? Weiteres Vermögen ist vorhanden.
Die Antwort hierauf ist abhängig von mehreren Faktoren. Berücksichtigt werden müssen Ihre Risikobereitschaft, der Anlagezweck sowie die Laufzeit. Auch Ihre Wünsche und Ihre Erfahrungen mit Geldanlagen spielen eine Rolle. Für eine konkrete Empfehlung lassen Sie sich unter diesen Aspekten von Ihrer Bank beraten.

» Ich habe 30 000 Euro geerbt und überlege, das Geld in einem Indexfonds (ETF) auf den Aktienindex MSCI World anzulegen, habe aber wenig Kenntnisse. Das Geld kann mindestens zehn Jahre angelegt werden, eine Rücklage ist vorhanden. Was meinen Sie?
Das kann langfristig eine gute Möglichkeit sein, Ihr Geld mit guten Renditechancen anzulegen. Generell ist es bei einer Geldanlage wichtig, breit zu streuen, um Wertschwankungen auszugleichen. Sie könnten überlegen, mit einem Teil Ihres Erbes zu starten, sozusagen als Test.

Auf meinem Tagesgeldkonto liegen
100 000 Euro. Wie kann ich die
besser anlegen?

Überlegen Sie zunächst, welchen Betrag für Sie als Liquiditätsreserve benötigen – diesen belassen Sie auf dem Tagesgeldkonto. Das bringt zwar kaum Zinsen, ist aber ständig verfügbar und sicher. Den restlichen Teil können Sie anlegen, um bessere Renditechancen zu nutzen. Dabei sollten Sie nicht alles sofort investieren, sondern nach und nach, zeitlich versetzt. 60 000 Euro könnten beispielsweise über ein Jahr monatlich mit einer Sparrate von 5000 Euro angelegt werden. Ihr Berater kann Sie unterstützen, die richtige Anlage zu finden.

» Wir haben verschiedene Fonds und sind auch zufrieden mit der Entwicklung. Trotzdem fragen wir uns, ob es eine neutrale Stelle gibt, die Geldanlagen bewertet. Ich will sicherstellen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
Wenn Sie sich unsicher sind, dann holen Sie sich doch einfach eine zweite oder dritte Meinung einer anderen Bank ein.

Ich habe 90 000 Euro auf dem Sparkonto, davon möchte ich einen Teil anlegen. In Aktien möchte ich aufgrund schlechter Erfahrung nicht investieren, bin eher risikoscheu. Was könnte für mich infrage kommen?
Als junger Mensch können Sie das Thema Geldanlage langfristig angehen und haben viele Möglichkeiten. Eine Honorarberatung durch einen unabhängigen Anlageexperten kann da sinnvoll sein, weil es diesem nicht um Produktverkäufe und Abschlussprovisionen geht. Manche Berater bieten sogar ein kostenloses Erstgespräch an, welches schon eine erste Orientierung geben kann.
» Ich habe rund 100 000 Euro anzulegen und würde per Sparplan laufend mehr einzahlen. Ist ein ETF für mich richtig?
Für einen Teil des Kapitals könnten offene Immobilienfonds interessant sein, wenn Sie das Geld für mindestens fünf Jahre anlegen können. Offene Immobilienfonds schwanken von allen Fondsarten am wenigsten, das Risiko ist also überschaubar. Die Rendite liegt im Durchschnitt zwischen zwei und vier Prozent. Als Neuanleger müssen Sie allerdings eine zweijährige Mindesthaltefrist beachten sowie eine einjährige Kündigungsfrist.

Mein Vermögen ist verteilt auf Aktien und diverse Fonds mit einer Aktienquote von 65 Prozent – damit fühle ich mich auch wohl. Eine eigene Immobilie sowie eine Liquiditätsreserve sind vorhanden. Wie soll ich weiteres Geld neu anlegen?
Sie haben Ihre Ersparnisse bereits breit gestreut. Bleiben Sie bei weiteren Anlagen dabei. Achten Sie darauf, global und über viele Branchen hinweg anzulegen, um das Risiko bestmöglich zu verteilen.

» Wie sehen Sie eine Anlage in Anleihen in Fremdwährungen bei höheren Zinsen?
Anleihen, speziell Unternehmensanleihen, sind nicht per se sicher. Höhere Renditechancen in fremden Währungen bedeuten auch immer mehr Risiko. Fällt der Wechselkurs, kann der Zinsvorteil schnell dahin sein. Bei entsprechender Risikobereitschaft kann eine Beimischung geeignet sein. Man sollte sich aber über Chancen und Risiken informieren.

Ich möchte in Wertpapiere investieren. Ich überlege, dafür ein Internet-Depot in Eigenregie anzulegen, weil es günstiger ist. Oder doch besser bei meiner Bank?
Bei Ihrer Bank bekommen Sie eine ausführliche Beratung, die Ihre Risikoneigung beurteilen kann und passende Empfehlungen macht. Bei einer Direktbank sitzen Sie selbst am Steuer und müssen sich um alles selbst kümmern, dafür sind die Kosten günstiger. Wenn Sie über Erfahrung mit Wertpapieren verfügen, kann eine Online-Bank eine Option sein.

Mein Wertpapierdepot besteht aus vier deutschen Aktienwerten. Die Erfahrungen damit waren nicht gut. Was raten Sie?
Eine Aktienanlage muss viel breiter gestreut sein. Überlegen Sie, Ihr Portfolio über Aktienfonds breiter aufzustellen und achten Sie vor allem auf eine internationale Streuung. Bewerten Sie Ihre Aktien anhand der Zukunftsaussichten und nicht Ihres Einstandskurses. Ein Austausch mit einem Berater bringt Sie hier weiter.

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