Erfolglose Nachfolgersuche

Der Merdinger Malermeister Hubert Selinger schließt seinen Betrieb

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Mo, 28. Oktober 2019 um 10:44 Uhr

Merdingen

Der Merdinger Handwerker hat keinen Nachfolger gefunden. Auf das Grundstück im Merdinger Gewerbegebiet will später die Schreinerei Schnurr ziehen.

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe im Beisein von Freunden und dem Vorstand des Gewerbevereins schloss das Malergeschäft vom Hubert Selinger im Merdinger Gewerbegebiet nun endgültig seine Pforten. Ein geeigneter Nachfolger wurde nicht gefunden, perspektivisch soll aber an den Standort die Schreinerei Schnurr ziehen.

"Der Beruf des Malers und Lackierers beinhaltet mehr, als nur den Pinsel zu schwingen", ist Hubert Selinger überzeugt. Dennoch werde es heute immer schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Auch für seinen Betrieb mit einem großen gewachsenen Kundenstamm hat der Malermeister keinen Nachfolger gefunden. Und seine zuletzt zwei Mitarbeiter wollten die Firma auch nicht fortführen. Zwar hat Selinger in seinem Betrieb immerhin elf Malergesellen ausgebildet, doch die seien heute alle in anderen Berufen tätig, berichtet Selinger.

Seit gut zehn Jahren sei es generell schwierig geworden, geeignete Lehrlinge zu finden. Zumindest gute Bewerber, die zum Beispiel rechnen könnten oder etwas Verständnis für die Chemie der Farben hätten, seien kaum noch für den Maler-Beruf zu begeistern.

Von ähnlichen Erfahrungen vieler Handwerker kann auch Markus Schächtele, Vorsitzender des Gewerbevereins, in dem auch Hubert Selinger Jahre lang im Vorstand aktiv war, berichten. Viele Betriebe, mit denen er als Finanzdienstleister zu tun habe, täten sich schwer, Auszubildende für einen Handwerksberuf oder gar Meister für eine Unternehmensnachfolge zu finden.

Das zehn Ar große Grundstück in der Straße Großsteinen hat Malermeister Selinger 1991 von der Gemeinde erworben und 1996 seinen Betrieb vom heimischen Keller in die hier neu gebaute Werkstatthalle mit Büro, Sozialräumen und Lager ausgelagert. Insgesamt hat das Gebäude rund 200 Quadratmeter Nutzfläche.

Seliger selber ist in Merdingen mit vier Geschwistern aufgewachsen, der Vater leitete bis Anfang der 1960er Jahre die hiesige Poststelle, die Mutter hat in der Zeit die Briefe ausgetragen. Sohn Hubert ging ab 1970 beim Merdinger Maler Eppinger in die Lehre und arbeitete als Geselle in verschiedenen Betrieben, bis er als Mitarbeiter der Firma Gleichauf in Umkirch die Meisterschule in Lahr besuchen konnte. Später war er in dem Betrieb als Bauleiter und Ausbilder angestellt, bevor er sich im April 1987 selbständig machte.

Bis zu sechs Mitarbeiter beschäftigte seine Firma, die sich in der Region einen großen Stamm an privaten und gewerblichen Kunden erarbeitete. Zweimal war Selinger auch an der Renovierung der Merdinger Kirche Sankt Remigius beteiligt, einmal als Lehrling und später verantwortlich als Meister. Nun in seinem Ruhestand möchte er mehr Zeit für seine Familie haben, in seinem Hobby als Fotograf ist er zudem bei fast allen Veranstaltungen im Dorf mit seiner professionellen Fotoausrüstung vor Ort. Selinger war zudem zehn Jahre lang Mitglied des Gemeinderates und für eine Amtsperiode zweiter Bürgermeisterstellvertreter.

Das Gewerbeanwesen wurde nun an die im Dorf im Abtshof ansässige Schreinerei von Christian Schnurr verkauft, die schon ein benachbartes Grundstück besitzt. Sohn Henrik hat kürzlich mit 19 Jahren seine Schreinerlehre in Geisingen als Kammersieger im Bezirk Konstanz beendet. Er möchte in einigen Jahren seinen Meister machen und dann den elterlichen Betrieb übernehmen. Angedacht ist, die auf Möbelbau, Küchen und Einrichtungen spezialisierte Schreinerei mit derzeit sieben Mitarbeitern ins Gewerbegebiet auszusiedeln. Bis dahin soll die Halle vorübergehend an einen anderen Handwerksbetrieb vermietet werden.