Interview

Ernst Ulrich von Weizsäcker: "Energie muss verteuert werden"

bür,kai

Von Ronny Gert Bürckholdt & Sebastian Kaiser

Do, 08. März 2012

Wirtschaft

BZ-Interview mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, einem der Vordenker der deutschen Umweltbewegung, über Irrtümer und Fortschritte beim Klimaschutz.

ach Ansicht von Ernst Ulrich von Weizsäcker braucht es im Kampf gegen den Klimawandel mindestens drei Dinge: ein wachsendes Ökobewusstsein, kluge Ingenieure und steigende Energiepreise. Sebastian Kaiser und Ronny Gert Bürckholdt sprachen in Emmendingen mit ihm.

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BZ: Herr Weizsäcker, plagt Sie als Vielflieger manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn Sie ein Flugzeug besteigen?

Weizsäcker: Selbstverständlich. Die Fliegerei ist das Schlimmste für das Klima. Ich fliege trotzdem oft zu Konferenzen, weil ich verhindern helfen möchte, dass China, Brasilien und andere aufstrebende Wirtschaftsmächte eine Infrastruktur aufbauen, die sie für hundert Jahre klimafeindlich festlegt. Deshalb glaube ich, dass meine Flugreisen gerechtfertigt sind.

BZ: Wie überzeugt man die schnell wachsende Mittelschicht in China davon, ihren neuen Wohlstand nicht allzu sehr zulasten des Klimas zu vergrößern?

Weizsäcker: Am besten mit einem recht einfachen Argument. Wir im Westen sind so reich, dass wir uns die Verschwendung von Energie noch am ehesten leisten können. China und erst recht ärmere Entwicklungsländer können sich solchen Unsinn schlecht leisten. Mit wenig Energie viel Wohlstand zu schaffen wäre ideal für Entwicklungsländer.



BZ: Um den Energiehunger ihrer rasant wachsenden Volkswirtschaft zu stillen, setzen die Chinesen auf riesige Projekte, deren Dimensionen die Vorstellungskraft von uns Europäern nicht selten übersteigt – der Drei-Schluchten-Staudamm etwa. Ist diese Gigantomanie vernünftig?

Weizsäcker: Bei aller Liebe für weite Teile der deutschen Umweltbewegung, die eine dezentrale Energieversorgung propagieren – nicht für jede Zeit und nicht für jedes Land ist das sinnvoll. Wenn man sich schon entschließt, den Jangtsekiang aufzustauen, dann doch besser ein Mal als tausend Mal. Ökologisch ist das vernünftiger. Andererseits sollte man nicht vergessen: Als die Chinesen begannen, den Drei-Schluchten-Damm zu ...

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