Ende des Hilfsprogramms

Griechenland verliert seine Talente

Gerd Höhler

Von Gerd Höhler

So, 19. August 2018 um 17:03 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Heute, Montag, endet das Hilfsprogramm für Griechenland. Der Premierminister Alexis Tsipras spricht von einem "historischen Datum". Aber vielen Griechen ist nicht zum Feiern zumute.

"Mehr können wir leider nicht anbieten", sagt Katerina und stellt einen kleinen Teller mit Gebäck auf den Tisch. Eine Zweizimmerwohnung im Athener Arbeiterviertel Nikaia, 43 Quadratmeter. Hier lebt die 38-Jährige mit ihrer 71 Jahre alten Mutter. Ihren vollen Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. "Ich schäme mich so – ich bin noch keine 40 und schon am Ende", sagt sie und bricht in Tränen aus. Katerina hatte eine gut bezahlte Arbeit als Disponentin eines "Atlantik"-Supermarkts, hoffte auf eine Beförderung. Dann kam die Krise, die Kette ging pleite. Die junge Frau verlor ihren Job, musste ihre Wohnung aufgeben, zog zurück zu ihrer Mutter.

Seit fünf Jahren schlägt Katerina sich mit Gelegenheitsjobs durch. Jetzt verdient sie 380 Euro im Monat als Teilzeitkraft in einem Schnellrestaurant, lebt aber in ständiger Angst, den Job zu verlieren. Die Hoffnung auf eine "richtige Stelle" hat Katerina längst aufgegeben: "In meinem Alter kann ich froh sein, wenn ich wenigstens einen Halbtagsjob bekomme", sagt sie mutlos.

Kaum jemand ahnte, was auf Griechenland zukam, als am 23. April 2010 der damalige Premierminister Giorgos Papandreou in einer Fernsehansprache vor der malerischen Hafenkulisse der kleinen Insel Kastelorizo einen Offenbarungseid leistete. An den Finanzmärkten bekam das hoch verschuldete Land kein Geld mehr. Hellas stand vor der ...

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