Im Vorstand der Deutschen Bahn wird aufgeräumt

Wolfgang Mulke

Von Wolfgang Mulke

Fr, 08. November 2019

Wirtschaft

Cargo- und Finanzchef Alexander Doll verliert den Rückhalt / Berlins BVG-Chefin Sigrid Nikutta soll den Güterverkehr sanieren .

BERLIN. Jetzt ist es amtlich. Die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, wechselt in den Vorstand der Deutschen Bahn und leitet dort ab dem 1. Januar 2020 den Güterverkehr. Das hat der Aufsichtsrat des Konzerns am Donnerstag beschlossen. Bisher verantwortete Alexander Doll dieses Ressort und auch die Finanzen der Bahn. Der frühere Investmentbanker habe den Rückhalt des Verkehrsministers ebenso verloren wie den von Bahnchef und Aufsichtsrat, heißt es aus Konzernkreisen.

Ob und wann er seinen Platz im Bahntower räumt, ist offen. Ein Nachfolger ist noch nicht im Gespräch. Zwischenzeitlich könnte Bahnchef Richard Lutz seinen alten Posten wieder mit übernehmen.Damit soll in der Chefetage wieder Ruhe einkehren. Zwischen Bahnchef Rüdiger Lutz und Doll gab es zuletzt ein Zerwürfnis, weil sich Doll nicht auf die Sanierung der verlustreichen Gütersparte konzentrieren wollte, wie Lutz es forderte. Auch im Bundesverkehrsministerium hatte der Manager zuletzt keinen Rückhalt mehr. Zu schlecht fällt seine Bilanz als Vorstand aus. Auf rund 300 Millionen Euro Verlust wird das Minus im Güterverkehr in diesem Jahr wohl anschwellen, nach 190 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

An der Sanierung des Güterverkehrs sind schon eine Reihe von Vorständen gescheitert. Nikutta, Jahrgang 1969, war schon vor 2010 bei der Bahn und dort zunächst für das Personal im Güterverkehr, später Produktionsleiterin und zuletzt für Schenker Rail Polska verantwortlich. Die fünffache Mutter war mehrmals als Topmanagerin beim Staatskonzern im Gespräch. Vor allem die SPD-Mitglieder des Aufsichtsrats drängten auf ihre Anstellung. Nun wird sie neben dem Vorstandsvorsitz der DB Cargo in Mainz auch einen neu geschaffenen Vorstandsposten in der Bahnzentrale besetzen. Seit 2010 steht die in den Masuren geborene promovierte Psychologin an der Spitze des größten Nahverkehrsunternehmens Deutschlands. Die BVG steckte bei ihrem Amtsantritt tief in den roten Zahlen. Inzwischen gibt es ein kleines Plus. Mit flotter Werbung verlieh sie dem städtischen Betrieb ein modernes Image. Sie gilt als Netzwerkerin und Freundin klarer Worte. Die wird sie brauchen, wenn sie den Güterverkehr nach vorne bringen will.

Die Turbulenzen im Vorstand hatten sich zuletzt zugespitzt. Ursprünglich sollte sich der Aufsichtsrat auf dieser Sondersitzung mit dem Verkauf der britischen Nahverkehrstochter Arriva befassen, den Doll vorbereiten sollte. Den Verkauf blies der Aufsichtsrat nach Kenntnis der Nachrichtenagentur dpa nun ab. Der Erlös hätte weitaus weniger als die erhofften drei bis vier Milliarden Euro eingebracht.Beschlossen hat der Aufsichtsrat auch die Anschaffung weiterer ICE.