Lebensmittel

Kein Plastik im Tiefkühlregal – Frosta setzt auf Papierverpackungen

Eckhard Stengel

Von Eckhard Stengel

Di, 12. November 2019 um 08:23 Uhr

Wirtschaft

Es widersteht Fett und Feuchtigkeit: Ein speziell entwickeltes Papier soll künftig Fertiggerichte und Gemüse des Herstellers Frosta umhüllen. 40 Millionen Plastikverpackungen sollen so eingespart werden.

Der Bremerhavener Tiefkühlkost-Hersteller Frosta will zum Jahreswechsel komplett von Plastik- auf Papierbeutel umsteigen. Dadurch würden rund 40 Millionen Plastikverpackungen pro Jahr eingespart, teilte Unternehmenssprecherin Friederike Ahlers am Montag mit.

Preisaufschlag "in Richtung fünf Prozent"

Allerdings würden die Produkte etwas teurer, wie Ahlers auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. "Das geht in Richtung fünf Prozent." Der Mittelständler, der nach eigenen Angaben Marktführer für Tiefkühlgerichte in Deutschland ist, hatte bereits 2003 für Aufsehen gesorgt: Er verabschiedete sich damals als erster konventioneller TK-Hersteller von allen Farbstoffen, Geschmacksverstärkern und anderen Zusatzstoffen. Weil das mit Preissteigerungen verbunden war, sank der Umsatz um 42 Prozent, und erstmals seit Jahren schrieb das Familienunternehmen Verluste. Erst nach anderthalb Jahren konnte die Firma den Einbruch überwinden. Heute setzt Frosta mit 1800 Mitarbeiter rund 509 Millionen Euro um und macht 20 Millionen Euro Gewinn.

"Durch eine rein physikalische Bearbeitung des Papiers wird eine wirksame Barriere gegen Fett und Feuchtigkeit hergestellt." Friederike Ahlers
Der jetzt geplante Plastikverzicht bedeutet nach Ansicht von Ahlers eine Revolution im Tiefkühlregal. "Die besondere Herausforderung lag darin, eine Papierverpackung zu schaffen, die trotz des feuchtkalten Milieus der Tiefkühlung einen zuverlässigen Produktschutz bietet." Drei Jahre intensiver Arbeit seien nötig gewesen, um einen "innovativen Materialmix und eine spezielle Verarbeitung" zu entwickeln. Die zum Patent angemeldeten Papierbeutel sollen ab Anfang 2020 nach und nach die bisherigen Plastikverpackungen ersetzen, etwa bei Gemüsemischungen oder Fertiggerichten wie Paella oder Nasi Goreng. Bei anderen Produkten wie etwa Fischstäbchen, die schon bisher in Karton eingepackt waren, ändert sich nichts.

Die neue Beutelverpackung besteht laut Ahlers aus ungebleichtem Papier ohne Bindemittel aus nachhaltiger Forstwirtschaft. "Durch eine rein physikalische Bearbeitung des Papiers wird eine wirksame Barriere gegen Fett und Feuchtigkeit hergestellt." Die Beutel sollen nur sparsam mit wasserbasierten Farben bedruckt werden und können dann laut Firmenmitteilung im Altpapier entsorgt und problemlos recycelt werden. Unternehmenschef Felix Ahlers hatte zuvor bereits im Magazin Der Spiegel ausgeschlossen, dass Mineralölrückstände aus den Druckfarben in die Lebensmittel übergehen könnten. Denn Frosta verwende kein durch Farben verunreinigtes Altpapier, sondern nur Frischfasern und außerdem nur Farben ohne Lösungsmittel.

Das Unternehmen sieht sich schon lange als Vorreiter bei nachhaltigen Verpackungskonzepten. Seit 2013 seien zum Beispiel alle Schalenverpackungen aluminiumfrei, und seit 2016 verwende die Firma sortenrein recycelbare Folie. Die geplanten Preissteigerungen begründet Sprecherin Friederike Ahlers mit dem großen Entwicklungsaufwand, dem teureren Material und der nötigen Umrüstung der Maschinen. Einen weiteren kleinen Nachteil haben die neuen Papierbeutel: "Auf dem ungebleichten Papier", so Vorstandsmitglied Hinnerk Ehlers, "sehen unsere Produktfotos nicht mehr so brillant aus wie vorher, aber das nehmen wir der Umwelt zuliebe gerne in Kauf."