Nicht verhandlungsfähig

Kein Prozess um P&R-Pleite – weil der mutmaßliche Anlagebetrüger todkrank ist

dpa

Von dpa

Do, 11. Juli 2019 um 20:58 Uhr

Wirtschaft

Tausende Anleger haben ihr Geld verloren bei der Pleite der Münchner Gesellschaft P&R. Der Firmengründer und mutmaßliche Anlagebetrüger muss nicht vor Gericht – er ist krank und nicht verhandlungsfähig.

Nach der Skandalpleite der Münchner Containergesellschaft P&R verzichtet die Justiz auf einen Strafprozess gegen den mutmaßlichen Milliardenbetrüger Heinz Roth. Der 76 Jahre alte Unternehmensgründer ist wegen Krankheit verhandlungsunfähig, wie das Landgericht München I am Donnerstag mitteilte. Die Richter hoben den Haftbefehl auf und setzten Roth auf freien Fuß.

Der Geschäftsmann ist die Schlüsselfigur des möglicherweise größten Betrugsfalls der deutschen Nachkriegsgeschichte, der Schaden könnte zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro liegen. P&R hatte 1,6 Millionen Container an 54 000 Anleger verkauft und anschließend in deren Auftrag vermietet. Doch nach derzeitigen Erkenntnissen handelte es sich zu einem großen Teil um Luftbuchungen: Knapp zwei Drittel der angeblich vermieteten 1,6 Millionen Container existierten gar nicht. Die Kunden hatten 3,5 Milliarden Euro investiert, von denen der Großteil sehr wahrscheinlich verloren ist.

Die Große Wirtschaftskammer geht nach einem gerichtsärztlichen Gutachten davon aus, dass der Geschäftsmann so schwer erkrankt ist, dass er nicht wieder gesunden, sondern dauerhaft verhandlungsunfähig bleiben wird. Die Münchner Staatsanwaltschaft teilt diese Einschätzung: "Wir haben keine Einwände gegen die Entlassung aus der U-Haft", sagte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde auf Anfrage.

Welcher Art Roths Krankheit ist, teilte die Justiz nicht mit. Der P&R-Gründer ist auch für viele seiner Gläubiger ein Phantom, über ihn ist fast nichts bekannt. Üblicherweise verzichten die Gerichte aber nur auf einen Strafprozess, wenn ein Angeklagter unheilbar krank ist.