Interview

Klaus Mangold zu Russland-Sanktionen: "Nur eine begrenzte Wirkung"

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Fr, 14. Juni 2019 um 17:50 Uhr

Wirtschaft

Im BZ-Interview sagt Russland-Kenner Klaus Mangold: "Mit den westlichen Sanktionen ist Russland besser zurecht gekommen als erwartet."

Mit dem früheren Chef des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, sprach Bernd Kramer.

BZ: Das britische Magazin Economist hat 2014 angesichts eines damals rapide sinkenden Ölpreises den Untergang der russischen Wirtschaft und eine wachsende politische Instabilität prophezeit. Der Zusammenbruch blieb aus. Warum?
Mangold:
Russland geht es heute relativ gut. Die russische Wirtschaft hat die Belastungen wie die niedrigeren Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren gemeistert. Für 2019 erwartet das Land wie im Vorjahr wieder eine ordentliche Wachstumsrate. Das zeigt, dass die russische Ökonomie über keine schlechten Voraussetzungen verfügt. So lange sich der Ölpreis über 50 Dollar pro Barrel bewegt, kann das Land gut leben. Viele junge Menschen sind hervorragend ausgebildet. Vom schwächeren Rubel profitieren die Unternehmen. Er erhöht ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Exportchancen. Und mit den westlichen Sanktionen ist Russland besser zurecht gekommen als erwartet. Dies zeigt erneut, dass Sanktionen nur eine begrenzte Wirkung haben. Die gewünschte Bestrafungsfunktion erfüllen sie nicht.
"Man wird die Sanktionen derzeit nicht ohne Gegenleistungen aufheben können, weil sich auch Russland politisch bewegen muss." Klaus Mangold
BZ: Soll sich die EU von den Sanktionen gegen Russland verabschieden?
Mangold: Man wird die Sanktionen derzeit nicht ohne Gegenleistungen aufheben können, weil sich auch Russland politisch bewegen muss. Damit meine ich Schritte, um den Frieden in der Ostukraine wieder herzustellen oder Ansätze, um den Krieg in Syrien zu beenden. Dieser Konflikt ist nur über eine große Friedenskonferenz zu lösen. Ich sehe jedoch keinen, der dafür die Initiative ergreifen würde. Gelegenheiten werden verpasst. Das ist schade. Gerade jetzt bräuchte man Russland als Partner für Europa, um ein stärkeres Gegengewicht gegen die USA und China zu bilden.
BZ: Putin sagt, die russische Wirtschaft müsse produktiver werden. Wo sehen sie Verbesserungsbedarf?
Mangold: Der russische Staat sollte mehr Mut haben, Staatsfirmen zu privatisieren. Die russische Wirtschaft sollte auch mehr Allianzen mit westlichen Unternehmen schließen. Das würde helfen, neue Technologien ins Land zu bringen, um die Produktivität zu steigern und so den Wohlstand des Landes zu fördern.
Klaus Mangold (75), wohnhaft im Münstertal, ist Jurist und Volkswirt und war lange Vorstandsmitglied bei Daimler.

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