Klimaschutz setzt Bahn unter Druck

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Di, 03. Dezember 2019

Ettenheim

Guido Wolf, Tourismusminister des Landes, nährt neue Hoffnung auf Ausbau des Bahnhofs Ringsheim zum ICE-Halt.

ETTENHEIM. Den Schwarzwald im Rücken, die Weinberge und den Europa-Park vor der Stadt, Freiburg nicht weit – Ettenheim profitiert beim Tourismus von dieser exponierten Lage. Rund 100 000 Übernachtungen generiert die Rohanstadt aus dieser Konstellation. "Für die Stadt ist Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden", erklärt Bürgermeister Bruno Metz. Für Guido Wolf war’s am Montagnachmittag ein hinreichender Grund, auf seinem Weg von Freiburg nach Stuttgart einen Stopp einzulegen – schließlich ist er auch Tourismusminister des Landes.

Er habe keinen Förderbescheid im Gepäck, er sei rein zum Gedankenaustausch und zum Zuhören in die Rohanstadt gekommen, erklärte der CDU-Minister vorbeugend. Handfeste Fakts waren also nicht zu erwarten. Dass Marion Gentges, die CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises, die Visite in Ettenheim angeregt hatte, ließ er auch nicht unerwähnt. Sie war mit dem Minister und Kollegen aus der CDU-Landtagsfraktion zuvor schon in Freiburg gewesen, um dort ein besonderes Projekt in Gang zu bringen. Wenn die Breisgau-Metropole im nächsten Jahr ihr 900-jähriges Bestehen feiert, soll es rund um die Justizvollzugsanstalt ein Kunstprojekt geben. Titel: Kunstwerke beiderseits der Mauer.

Ob auch das Ettenheimer Gefängnis zum Besichtigungsprogramm der Delegation in der Rohanstadt zählte, wurde im Gespräch mit Medienvertretern nicht erwähnt. Das Gebäude zählt aber zu den markantesten im Zentrum der Stadt und ist seit der Renovierung im Rahmen der Altstadtsanierung Heimstatt für Vereine und die Stadtbibliothek. Apropos Altstadtsanierung: Im nächsten Jahr feiert Ettenheim nicht nur ein Stadtfest, sondern zugleich auch 40 Jahre Sanierungsprogramm in der Altstadt. Dass in diesen vier Jahrzehnten knapp zehn Millionen Euro Fördermittel vom Land nach Ettenheim flossen, ließ Bürgermeister Bruno Metz vor dem Gast aus Stuttgart nicht unerwähnt.

Dass der Anstieg der Übernachtungszahlen in der Barockstadt Ettenheim auch ein Effekt der landesweiten Tourismusförderung sei, betonte sodann der Minister. Mit einer neuen Konzeption und vor allem mit einem aufgestockten Marketingetat von zehn Millionen Euro im Landesdoppelhaushalt (bisher fünf Millionen) soll der Tourismus im Land künftig gefördert werden.

Als Lokomotive im Tourismus im Land und insbesondere in und für Südbaden bezeichnete Wolf den Europa-Park: "Touristisch ein Leuchtturmprojekt, von dem die ganze Region profitiert." Gerade für die Region um Rust und Ettenheim sei der Europa-Park ein Glücksfall. Ausschließlich Städte- und Schwarzwaldtourismus würden das Umland von Ettenheim touristisch eher unberücksichtigt lassen. "Auch unsere Handwerksbetriebe vom Europa-Park", ergänzte Bürgermeister Bruno Metz. Er betonte auch, dass die Stadt gemeinsam mit Nachbargemeinden auch erhebliche Anstrengungen unternehme, um den Weinbau in der Region zu fördern und bekannter zu machen.

Zweifelsfrei, so der Minister weiter, stellten fünfeinhalb Millionen Europa-Park-Besucher pro Jahr und durch die Eröffnung des Wasserparks Rulantica künftig wohl noch deutlich mehr eine Herausforderung für die Verkehrsinfrastruktur dar. Dass ein Teil der Lösung eine Verbesserung der Bahnanbindung, beispielsweise über einen Ausbau des Bahnhalts Ringsheim zum Bahnhof mit ICE-Halt, sei, liege auf der Hand. "Eigentlich ist diese Konstellation doch wie ein Geschenk für die Bahn", meinte der Minister. Weshalb die Bahn dieses Potential nicht anpacke und ausschöpfe wolle er nicht nachvollziehen.

Unterdessen, sieht er wie auch sein Fraktionskollege und Mitglied im Verkehrsausschuss im Landtag, Patrick Rapp (Breisgau), durch die Fridays-for-Future-Bewegung und den daraus entstandenen Druck auf Politik und die Wirtschaft neue Chancen für Bewegung in dieser Frage. Wolf: "In der Debatte gibt es neuen Rückenwind für einen Ausbau des Ringsheimer Bahnhofs." Auch Rapp argumentiert ähnlich: Bisher sei für die Bahn eine immer schnellere Verbindung nach Basel das Maß aller Dinge gewesen, was einen zusätzlichen ICE-Halt wenig wahrscheinlich mache. Die Klimaschutzdiskussion eröffne jetzt aber neue Perspektiven und fordere auch von der Bahn Bewegung.

Vor dem Hintergrund der Diskussion in Lahr, dass sich chinesische Investoren als Betreiber des Flugplatzes in Stellung bringen könnten, bezog der Minister klare Position. Zum einen seien zunächst einmal der Flughafenbetreiber (Martin Herrenknecht) und die Stadt Lahr am Zug. Von einem Engagement chinesischer Investoren auf dem Areal hält der Minister indes wenig. Wolf: "Ich mag mir das nicht vorstellen."