Kontrolle bei Lieferanten

afp

Von afp

Mi, 11. September 2019

Wirtschaft

Bündnis fordert: Deutsche Firmen sollen genauer hinschauen.

BERLIN (AFP). Deutsche Unternehmen sollen nach dem Willen eines breiten Bündnisses aus der Zivilgesellschaft künftig dazu verpflichtet werden, gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in ihrem Geschäftsbereich vorzugehen. Die "Initiative Lieferkettengesetz" forderte die Bundesregierung am Dienstag auf, bis 2020 eine entsprechende Regelung auf den Weg zu bringen. An dem Bündnis beteiligt sind 64 Organisationen, darunter Gewerkschaften, Umwelt- und Menschenrechtsverbände sowie Vertreter kirchlicher Organisationen.

Die Bundesregierung müsse die Unternehmen gesetzlich zur weltweiten Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards verpflichten, forderte das Bündnis anlässlich des siebten Jahrestages des verheerenden Großfeuers in einer Textilfabrik des Unternehmens Ali Enterprises in Pakistan 2012. "Immer wieder gibt es Berichte von brennenden Fabriken, ausbeuterischer Kinderarbeit oder zerstörten Regenwäldern", sagte die Sprecherin der Initiative, Johanna Kusch.

Opfer von Menschenrechtsverletzungen müssten die Möglichkeit haben, Unternehmen gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, "wenn nötig auch vor deutschen Zivilgerichten", forderte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Marion Lieser von Oxfam Deutschland kritisierte, deutsche Supermarktketten täten "im internationalen Vergleich besonders wenig für den Menschenrechtsschutz". In Großbritannien sei die Lage besser, "unter anderem weil es dort ein Gesetz zu moderner Sklaverei gibt", erklärte sie. "Damit auch die deutschen Supermärkte echte Fortschritte machen, brauchen wir ein Lieferkettengesetz."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland beklagte unter Verweis auf den Amazonas-Regenwald, zahlreiche Brände würden gelegt, "um Platz für Soja als Tierfutter für die deutsche Massentierhaltung zu schaffen". Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte, "dem vorherrschenden globalen Geschäftsmodell des Umwelt- und Sozialdumpings" müsse Einhalt geboten werden. In einer Petition fordert das Bündnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis 2020 ein Lieferkettengesetz auf den Weg zu bringen. Bei Schäden an Menschen und Umwelt sollen Unternehmen demnach haftbar gemacht werden können.