Lehrlinge bleiben begehrt

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 17. November 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Auch 2019 können nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden.

Es gebe "im Südwesten nichts Neues" zu berichten, so der Leiter der Freiburger Arbeitsagentur, Christian Ramm, zu Beginn der Woche: Auch im laufenden Jahr hätten Industrie, Handel und Handwerk in der Region längst nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können.

Allein im Raum Freiburg blieben laut Ramm 600 Plätze unbesetzt. Auch in der Ortenau sei zuletzt jeder achte Ausbildungsplatz unbesetzt geblieben, so der Leiter der Offenburger Arbeitsagentur, Horst Sahrbacher. Dennoch zeigten sich die Präsidenten der Handwerkskammer Freiburg (HWK), Johannes Ullrich, und der Industrie und Handelskammer südlicher Oberrhein in Freiburg (IHK), Steffen Auer, nicht über die Maßen unzufrieden: In den IHK-Berufen wurden 4 375 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Damit liege man nach dem vergleichsweise starken Jahr 2018 aktuell wieder im Mittel des vergangenen Jahrzehnts, so Auer. Demnach sei die Zahl der neuen Azubis im Vergleich zu 2018 in den Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetrieben im Kammerbezirk um rund fünf Prozent (Baden-Württemberg: minus 1,5 Prozent) rückläufig gewesen. Allerdings seien die Bewerberzahlen in den Branchen sehr unterschiedlich verteilt gewesen. Ähnlich sehe die Lage im Kammerbezirk Freiburg im Handwerk aus, so HWK-Präsident Johannes Ullrich. Mit 2 402 neuen Verträgen beziehungsweise einem Plus bei den Ausbildungsverhältnissen von 3,1 Prozent gegenüber dem "sehr schlechten" Ausbildungsjahr 2018 habe man dennoch "viel zu wenige" neue Azubis im Handwerk registriert, so Ullrich. Immerhin sei das Ergebnis besser als im Landesvergleich ausgefallen (minus 2,9 Prozent).

Nicht in allen Berufen fehlt der Nachwuchs

Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings: Nicht in jedem Beruf können sich angehende Auszubildende ihre Stelle aussuchen. Denn nicht jeder Ausbildungsberuf ist gleichermaßen beliebt, wenngleich die Betriebe mit Freude feststellen, dass auch Bewerber mit mittlerem Abschluss oder Abitur mittlerweile häufiger eine Lehre beginnen. So konnten sich angehende Verkäufer im Lebensmitteleinzelhandel im Raum Freiburg zuletzt unter sechs angebotenen Stellen aussuchen, wo sie ihre Ausbildung anfangen wollten. Im Einzugsgebiet der Arbeitsagentur Offenburg kamen auf einen Bewerber in der Gastronomie vier offene Stellen. Ganz anders war die Lage in den immer noch häufig genannten Trendberufen: So können sich Betriebe in der Holzverarbeitung im Raum Freiburg für eine Stelle unter fünf Bewerbern den passenden Mann oder die passende Frau aussuchen. Ähnlich sieht die Lage im Raum Offenburg in der IT-Branche aus, wo auf eine angebotene Stelle zuletzt mehr als drei Bewerber kamen.

Christian Ramm und Horst Sahrbacher betonten am Montag zudem, dass Geflüchtete auf dem Ausbildungsmarkt zunehmend eine bedeutsame Rolle spielen. So lag der Anteil der Bewerber mit Fluchthintergrund in Freiburg im ausgehenden Jahr bei rund 13 Prozent Anteil, und auch in der Ortenau spielten mit 6,5 Prozent Anteil an den neuen Auszubildenden Geflüchtete eine zunehmende Rolle. Die Motivation bei Betrieben und Bewerbern sei groß, allerdings sei die mangelhafte Ausbildungseignung bei jungen Migranten oft ein Thema: Bewerber mit Fluchthintergrund seien meist älter und mit einer schlechteren Schulbildung versehen als andere, so Ramm.

Gleichzeitig müsse man betonen, dass es bei denjenigen, die in den letzten Jahren eine Ausbildung am Ende auch erfolgreich abschließen, kaum feststellbare Unterschiede zwischen Migranten und Einheimischen gebe, so Geschäftsführer Wolfram Seitz-Schüle von der HWK in Freiburg. Und auch bei den deutschen Bewerbern sei es um die Ausbildungsreife oft nicht bestens bestellt: "Pünktlichkeit und die tiefere Konzentration auf eine Sache ist heute einfach nicht mehr so ein Thema wie seinerzeit bei uns, als wir in den Beruf starteten", so Christian Ramm.