Lob für die Arbeitgeber

Michael Haberer

Von Michael Haberer

So, 27. Oktober 2019

Endingen

Der Sonntag Ein Verein in Endingen hilft jugendlichen Flüchtlingen in der beruflichen Ausbildung – und sucht jetzt neue Aufgaben.

Muhammad Juma Mohammadi arbeitet als Geselle in der Freiburger Bäckerei Pfeifle. Für den 21-jährigen Afghanen ist das ein großer Erfolg: Als er vor vier Jahren in Emmendingen ankam, sprach er kein Wort Deutsch. Seine erfolgreiche Ausbildung hat er auch dem Institut für Soziale Projekte (Insopro) in Endingen zu verdanken.

"Ich habe jetzt auch eine halbe Bäckerlehre", sagt Jumas Betreuer Tobias Schmid. In diesen Worten liegt schon der halbe Erfolg des jungen Afghanen. Da er als jugendlicher Asylbewerber alleine nach Deutschland kam, wurde er vom Jugendamt in der Betreuungseinrichtung von Insopro untergebracht. Hier bekam der Afghane, der nur Persisch sprach, Deutschunterricht und Unterstützung, wenn es in der Ausbildung hakte.

Überhaupt müssen Jugendliche wie er dazu gebracht werden, eine Ausbildung anzufangen. "Da sind bei vielen Jugendlichen intensive Gespräche nötig, weil sie Geld nach Hause schicken möchten und Schlepper bezahlen müssen", sagt Markus Jackl, Vorsitzender und Geschäftsführer von Insopro. Die Jugendlichen neigen deshalb dazu, schnell irgendeinen Job anzunehmen. Gespräche, Betreuung und zusätzlicher Unterricht ist ein Luxus, den Juma als unbegleiteter Jugendlicher genießt. Die Kosten dafür trägt die Jugendhilfe. "Wenn die Jugendlichen mit ihren Eltern kommen und in den Flüchtlingsunterkünften untergebracht werden, haben sie deutlich schlechtere Voraussetzungen", sagt Jackl. "Da wird leider wenig Geld in die Zukunft der jungen Geflüchteten investiert", fügt Schmid an. "Ich habe als Konditor in der Backstube meines Vaters gearbeitet und wusste gar nicht, wie eine Ausbildung geht", sagt Juma.

Die meisten der derzeit von Insopro betreuten unbegleiteten Jugendlichen seien handwerklich richtig fit. Einige von ihnen scheiterten aber an der Berufsschule, sagt Jackl. Daran wäre auch Juma beinahe gescheitert. "Ich habe im ersten Jahr gar nicht verstanden, wovon der Lehrer spricht", sagt er. Zeitweise habe er schon daran gedacht, aufzugeben. "Die Wissensvermittlung ist eine große Herausforderung für beide Seiten", erklärt Ulrike Börnsen, geschäftsführende Schulleiterin der Berufsschulen im Kreis Emmendingen. "Wir Lehrer müssen sensibel sein, wie ich was sagen kann", sagt sie zur Kunst, ohne viele Fachbegriffe Wissen zu vermitteln. Die kritische Phase bei Juma ist seinem Ausbilder, Bäckermeister Michael Schulze, nicht verborgen geblieben. "Er hat aber einen starken Willen", sagt Schulze. So nahm er die Hürde Zwischenprüfung. Ähnlich gut lief es bei einem jungen Syrer und einem Gambier im Betrieb. "Die Arbeitgeber sind die offensten von allen", lobt Jackl die Bereitschaft, sich der Herausforderung trotz unzulänglicher Sprachkenntnisse zu stellen.

Der Erfolg von Insopro in der Betreuung von Asylbewerbern für das Jugendamt hat für den Verein zwei Seiten. Infolge der Flüchtlingswelle war die Nachfrage nach der Betreuung groß. Damit schnellte die Zahl der Mitarbeiter auf fast 100 hoch. Inzwischen sind sie wieder bei 48. "Seit letztem Jahr ist es hartes Brot", so Jackl.

Insopro, das 2008 als Verein gegründet wurde und seine Dienste in den Kreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen anbietet, hatte seinen ursprünglichen Sitz in Stegen. Da sich die Aufträge zunehmend im Nördlichen Breisgau auftaten, hat der Verein seinen Sitz nach Endingen verlegt. Bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen ist Insopro noch im Nachbarkreis in Breisach tätig. Solche Angebote für das Jobcenter waren anfangs das Hauptstandbein für Insopro und den Sozialpädagogen Jackl, der früher selbst Bereichsleiter im Jobcenter war. "Wir müssen nach neuen Tätigkeitsfeldern suchen", sagt er jetzt. Es sei eine Herausforderung für den Verein mit seinen Sozialarbeitern, die Nachfragewellen in der Jugendbetreuung auszugleichen. Inzwischen gehören verschiedene Arten von Pädagogik, Familienhilfe oder Mediation zu den Tätigkeitsfeldern. Am Anfang übernahm Insopro die Projektarbeit der Entwicklungszusammenarbeit mit Surinam vom Deutschen Berufsverband für soziale Arbeit. Weitere internationale Projekte hatte Insopro in Afrika, auf den Philippinen, in Rumänien sowie in Französisch-Guyana.