Louis Vuitton will Tiffany schlucken

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Di, 29. Oktober 2019

Wirtschaft

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH bietet gut 13 Milliarden Euro für den legendären US-Juwelier / Der Film "Frühstück bei Tiffany" machte diesen berühmt.

PARIS. Das Gerücht machte in Paris schon einige Tage die Runde. Nun hat der französische Luxusgüterkonzern LVMH bestätigt, dass er den bekannten Edel-Schmuckhändler Tiffany übernehmen will. Der Konzern, zu dem beispielsweise die Modemarken Louis Vuitton und Givenchy sowie die Champagnermarke Moët & Chandon und Veuve Clicquot gehören, hat bereits Vorgespräche mit den Amerikanern über eine Übernahme geführt. Wie weit die Gespräche gediehen sind, blieb allerdings ein Geheimnis. Tiffany bestätigte am Montag lediglich den Erhalt eines Angebots über 120 US-Dollar je Aktie. Man wolle das Angebot nun prüfen, hieß es.

Die vor 182 Jahren gegründete Traditionsmarke Tiffany ist aktuell an der Börse zwölf Milliarden US-Dollar (etwa 10,8 Milliarden Euro) wert. Tiffany ist auch Nicht-Kunden bekannt durch seine Rolle im Hollywood-Film "Frühstück bei Tiffany" mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle. Das berühmteste Geschäft ist wohl der Flagship-Store in der New Yorker Fifth Avenue.

LVMH ist an der Börse fast 20-mal so viel wert wie Tiffany. Es heißt, das Angebot der Franzosen für den Schmuckhändler liege bei insgesamt 14,5 Milliarden US-Dollar (gut 13 Milliarden Euro). Es wäre eine der größten Übernahme für den LVMH-Konzern. 2017 bezahlten die Franzosen sieben Milliarden Dollar für die restlichen Anteile am Designerlabel Christian Dior.

Die Strategie der Franzosen ist offensichtlich: Der Konzern richtet sein Augenmerk im Moment zwar stark auf Asien, da dort wegen der steigenden Nachfrage durch reiche Chinesen die Umsätze steil nach oben gehen. Doch die Zukunft ist mehr als ungewiss. Die gesamte Luxusgüterbranche fürchtet derzeit negative Auswirkungen der Handelsspannungen zwischen den USA und China, unter anderem durch eine sinkende Kaufkraft der Chinesen. Sorgen bereiten dem LVMH-Management außerdem die seit Monaten andauernden Unruhen in Hongkong. Für LVMH sind das alles Gründe, das Geschäftsfeld zu erweitern und die Aktivitäten in den USA ausbauen.

Zum Sinnbild der Offensive wurde die Einweihung einer Louis-Vuitton-Fabrik in Texas Anfang Oktober. Die gesamte Führungsetage des Konzerns war anwesend – einschließlich Firmenpatriarch Bernard Arnault. Stargast der öffentlichkeitswirksam präsentierten Eröffnung war allerdings ein anderer: Donald Trump. Der US-Präsident lobte überschwänglich, dass die Franzosen in der Wüste rund 1000 Arbeitsplätze schafften, und erhielt eine Führung durch die Fabrik.

Arnault, der Trump seit den 1980er-Jahren kennt, musste sich für diese Inszenierung in Frankreich einige Kritik und sehr viel Spott gefallen lassen. Die Franzosen blicken auf ihren schillernden Landsmann, der mit einem geschätzten Privatvermögen von 70 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt gehört, mit einer Mischung aus Bewunderung und Kopfschütteln.

Häme hatte Arnault zuletzt geerntet, als er sich nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame mit seinen Rivalen aus der Familie Pinault einen regelrechten Spendenwettkampf lieferte. Noch während die Kirche auf der Ile de la Cité in Flammen stand, ließ François-Henri Pinault mitteilen, dass er für den Wiederaufbau von Notre-Dame 100 Millionen Euro spenden würde. Familie Pinault gehören unter anderem die Modemarken Saint Laurent, Gucci und Brioni. Angesichts dieser Großzügigkeit wollte sich Bernard Arnault nicht lumpen lassen und versprach 200 Millionen Euro. Frankreich fühlte sich an die 1990er-Jahre erinnert, als beide Familien um die öffentliche Aufmerksamkeit buhlten. Damals kauften sie Schlösser in der Region Bordelais im Südwesten Frankreichs und jeder versuchte, den anderen mit seinem demonstrativ zur Schau gestellten Luxus zu übertrumpfen.

Nach Bekanntwerden der Übernahmepläne legte LVMH an der Pariser Börse zu. Der Wert der Aktie stieg um gut 1,2 Prozent auf 388,6 Euro. Die Tiffany-Aktie notiert in New York vorbörslich fast ein Drittel höher.