Lufthansa will nicht mehr selbst kochen

Christian Ebner

Von Christian Ebner (dpa)

Di, 21. Mai 2019

Wirtschaft

Drei Interessenten für LSG Sky Chef / Das Geschäft mit der Bordverpflegung braucht viel Personal.

FRANKFURT. Die Lufthansa hat ihre Catering-Tochter LSG Sky Chefs mit weltweit rund 35 000 Mitarbeitern zum Verkauf gestellt. Der Billigtrend beim Fliegen hat die Bordverpflegung zumindest auf Kurzstrecken fast überflüssig gemacht. Passagiere zahlen meist nur noch den nackten Ticketpreis und nicht mehr das Rundum-sorglos-Paket von früher. Wo jeder Snack und jeder Drink extra kostet, sinkt der Absatz.

Die LSG hat ein Produktionswerk im tschechischen Bor gebaut, um von den niedrigeren Lohnkosten zu profitieren. Trotzdem gibt es aus Sicht des Lufthansa-Vorstands bei der Bordverpflegung nicht mehr richtig viel zu verdienen. Zumindest das Europa-Geschäft soll daher an einen strategischen Investor gehen, der das Handwerk verstehe, heißt es in Konzernkreisen. Mindestens drei Interessenten gebe es bereits: Neben den europäischen Konkurrenten Do & Co und Gate Gourmet soll sich auch Dnata aus Dubai für die LSG-Küchen interessieren.

Die Unternehmensteile in mehr als 100 außereuropäischen Staaten könnten in einem zweiten Schritt auch an branchenfremde Finanzinvestoren gehen. Die noch gut 7000 deutschen Arbeitnehmer sind entsetzt. Schließlich hätten Betriebsräte und Gewerkschaft die Sanierungspläne samt der Auslagerung nach Tschechien mitgetragen, sagt Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Für das geplante Zentralwerk im rheinland-pfälzischen Alzey habe man Tarifverträge abgeschlossen und insgesamt bei den Arbeitsplatzverlusten längst nicht so viel Krawall gemacht, wie möglich gewesen wäre.

Verdi will den Verkauf verhindern oder mindestens Lufthansa als Mehrheitsgesellschafter behalten. Doch im Lufthansa-Vorstand ist die Entscheidung wohl bereits gefallen. Denn das Geschäft mit der Bordverpflegung ist kompliziert und personalintensiv. In der Frankfurter Zentralküche bereiten Kochteams verschiedener Nationalitäten täglich nach engen Kostenvorgaben möglichst authentische Mahlzeiten zu. Japanisch, Thai, chinesisch, koreanisch, indisch, halal und die westliche Küche haben die Köche drauf. Nur koschere Speisen für strenggläubige Juden lässt sich LSG zuliefern. Bis zu 60 000 Einzelteile vom Joghurt über den Hauptgang bis zu Limetten für Cocktails verlädt die Mannschaft in einen Airbus A 380. Trotz aller Industrialisierung bleibt eine Menge Handarbeit.