Miele startet Sparprogramm

Erich Reimann

Von Erich Reimann (dpa)

Do, 31. Oktober 2019

Wirtschaft

Gütersloher Haushaltsgerätehersteller streicht mehr als tausend Stellen.

GÜTERSLOH. Eigentlich war es ein goldener Oktober für Miele: Im jüngsten Waschmaschinentest kürte die Stiftung Warentest ein Miele-Gerät zum Sieger. In einer Umfrage wurde Miele zur "Marke des Jahres" bei Elektrogeräten gewählt. Trotzdem kündigte der Haushaltsgerätehersteller am Mittwoch einen kräftigen Stellenabbau an: Bis Ende 2021 sollen weltweit rund 1070 Stellen wegfallen, davon etwa 240 in Deutschland. Weitere 650 Jobs werden bis Ende 2025 im Gütersloher Waschmaschinenwerk gestrichen.

Der Stellenabbau solle möglichst sozialverträglich erfolgen, hieß es bei Miele. Außerdem sollen in anderen Bereichen – etwa im Digitalen – 470 neue Arbeitsplätze entstehen. Das vor 120 Jahren gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit gut 20 000 Mitarbeiter, mehr als 11 000 davon in Deutschland.

Die Industriegewerkschaft (IG) Metall befürchtet, dass der Stellenabbau nicht das letzte Wort ist. "Ich weiß, das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange", sagte der Unternehmensbeauftragte Thomas Wamsler und warf der Miele-Leitung eine "Salamitaktik" vor. Es werde ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen gestartet, der Beschäftigungsabbau werde verharmlost, so Wamsler.

Miele betonte hingegen, der Stellenabbau sei notwendig, um den tiefgreifenden Veränderungen der Märkte durch die Digitalisierung und den immer preisaggressiveren Auftritt asiatischer Wettbewerber Rechnung zu tragen. Ziel sei es, allein im ersten Schritt durch Einsparungen bei Sachkosten und Personal rund 190 Millionen Euro pro Jahr einzusparen und so die Wirtschaftlichkeit der gesamten Miele-Gruppe nachhaltig zu sichern.

Die Ankündigung kommt nicht ganz überraschend: Im November 2018 hatte sich die Konzernleitung Unternehmensberater von McKinsey ins Haus geholt und die Verlagerung von Teilen der Waschmaschinenproduktion nach Polen angekündigt. Miele macht mittlerweile gut 70 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands. Daher treffen die aktuellen Handelskonflikte die Gütersloher hart. Der mancherorts wieder aufkeimende Protektionismus mache das Geschäft nicht einfacher, hatte Geschäftsführer Markus Miele Anfang des Jahres in einem Interview geklagt.

Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 hat der Premiumhersteller die weltweite Konjunkturabkühlung gespürt. Nur dank der erstmaligen Einbeziehung der koreanischen Tochter Yujin Robot stieg der Umsatz leicht um 1,5 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Ohne diesen Effekt wären es 0,2 Prozent plus gewesen. Im wettbewerbsintensiven deutschen Markt sank der Umsatz um 0,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Spürbare Rückgänge gab es zudem in China.

Mit dem Stellenabbau und einer Umstrukturierung wolle Miele nun aus einer Position der Stärke die Weichen für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft stellen, hieß es aus Gütersloh. Ein Geschäftsbereich – die "Wachstumsfabrik" – soll sich nur damit beschäftigen, neue Geschäftsfelder aufzutun. "120 Jahre nach seiner Gründung stellt sich Miele grundlegend neu auf", hieß es.