Misswirtschaft im Vatikan?

kna

Von kna

Mi, 23. Oktober 2019

Wirtschaft

Die Kurie weist Vorwürfe zurück, der Heilige Stuhl stehe vor einem Finanzkollaps.

ROM (KNA). Auf jüngste Berichte über einen angeblich bevorstehenden Finanzkollaps und Vorwürfe von Missmanagement im Vatikan haben am Dienstag zwei hochrangige Kurienvertreter reagiert. Sowohl der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Koordinator des Kardinalsrates "K6", als auch der Leiter der vatikanischen Güterverwaltung Apsa, Bischof Nunzio Galantino, dementierten, dass ein Finanzkollaps bevorstehe. Der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi hat in einem gerade veröffentlichten Buch den Vatikan als kurz vor dem Ruin stehend beschrieben.

Maradiaga sagte in einem Interview mit der Zeitung Repubblica, er wisse nichts davon, dass Mittel aus der weltweiten "Peterspfennig"-Kollekte für Finanzgeschäfte benutzt worden seien. Zur jüngsten vatikanischen Razzia im Staatssekretariat, bei der es vor allem um einen verlustreichen Immobiliendeal in London gehen soll, sagte er: "Das Staatssekretariat hat verschiedene Finanzquellen, nicht nur jene für karitative Aufgaben des Papstes." Letztere sollten nach Franziskus’ Willen allein für wohltätige Zwecke verwendet werden.

Die finanzielle Lage des Heiligen Stuhls wie auch des Vatikanstaates gleiche der "in jeder Familie oder in vielen Staaten", sagte Bischof Galantino als Leiter der Vatikanischen Güterverwaltung . Derzeit prüfe der Vatikan seine Ausgaben, so Galantino, ohne Zahlen zu nennen. Anders als herkömmliche Staaten habe der Vatikan weder Steuereinnahmen noch ein öffentliches Defizit. Seine Einnahmen stammten aus Spenden von Gläubigen, Zuwendungen von Bistümern, den Erträgen von Anlagen, Eintrittsgeldern der Vatikanischen Museen und Mieteinnahmen.

Laut Galantino besitzt die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls 2400 Wohnungen, hauptsächlich in Rom und Castel Gandolfo, außerdem 600 Geschäfte und Büros. Aus jenen, die als Dienstwohnungen oder Kurien-Büros dienen, erziele man wenig oder keine Mieteinnahmen. So seien rund 60 Prozent der Wohnungen an Vatikanangestellte zu einem reduzierten Mietzins vermietet. Wenn große Unternehmen "diese Art Sozialwohnungen" anbieten, spreche man von "verdienstvollem Umgang mit Angestellten". "Wenn der Vatikan solches tut, heißt es, wir seien inkompetent", so Galantino.

Gefragt nach konkreten Zahlen seiner eigenen Behörde sagte Apsa-Chef Galantino, die roten Zahlen für 2018 beruhten allein darauf, dass man ein Krankenhaus und damit verbundene Arbeitsplätze retten wollte.

Der Mailänder Wirtschaftshistoriker Giulio Sapelli hingegen sieht allein Misswirtschaft als Grund für die roten Zahlen des Vatikan. "Dafür gibt es nur einen Grund: Sie werden von Finanz-Zwergen gemanagt", sagte Sapelli der Zeitung Repubblica.