MIT GEWINN LEBEN: Hilfe bei Ärger am Bau

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 02. November 2019

Wirtschaft

Verbraucherbauvertrag und Bauvertrag unterscheiden sich.

Frau F. hatte einen umfangreichen Vertrag über die Sanierung und den Umbau eines Gebäudes abgeschlossen. Doch schon während der Bauarbeiten traten Mängel auf. Fehlende Absprachen, gebrochene Zusagen und eine enorme Verteuerung des Vorhabens brachten die Verbraucherin zur Verzweiflung. Doch mit dem zum 1. Januar 2018 eingeführten Vertragstyp des Bauvertrages und des Verbraucherbauvertrages konnte sich Frau F. zur Wehr setzen. Interessant dabei ist nämlich, dass die beiden Vertragstypen einem Unternehmer verschiedene Widerrufsbelehrungen vorschreiben. Verwechselt der Unternehmer bei der Vertragsanbahnung die Widerrufserklärung, hat er nicht ordentlich belehrt. Das hat dann zur Folge, dass ein Verbraucher den Vertrag noch ein Jahr und 14 Tage nach dem Vertragsschluss widerrufen kann. Die Prüfung der umfangreichen Unterlagen durch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ergab, dass der Unternehmer sich des Widerrufsrechtes nach dem Verbraucherbauvertrag bedient hatte. Der Verbraucherbauvertrag setzt aber entweder einen Neubau oder eine erhebliche Umbaumaßnahme voraus, die dem völligen Neubau vergleichbar sein muss. Bloße Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten fallen nicht hierunter, sondern stellen einen bloßen Werkvertrag oder einen Bauvertrag dar. Frau F. konnte deshalb den bestehenden Vertrag widerrufen, was deutlich einfacher und günstiger ist, als den Werk- oder Bauvertrag zu kündigen oder eine langwierige Durchsetzung der Mängelrechte durchzuführen.

Matthias Bauer leitet die Abteilung Bauen, Wohnen, Energie bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Tel. 0711/669110; E-Mail: info@vz-bawue.de; Internet: http://www.vz-bawue.de