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Der stetig wachsende Onlinehandel lässt die Filialen sterben

dpa, BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 15. August 2020 um 13:37 Uhr

Wirtschaft

Bei den großen Handelsketten gewinnt der Vertrieb über das Internet an Bedeutung – viele Unternehmen wollen ihre Filialnetze straffen. Das geht zu Lasten der Innenstadt-Standorte

Ob Media Markt, Saturn oder Douglas – immer mehr Handelsketten stellen ihre Filialnetze auf den Prüfstand. Denn durch die Corona-Krise haben viele Bundesbürger die Online-Shops der großen Handelsketten für sich entdeckt und halten ihnen auch nach der Wiederöffnung der Läden die Treue. Für den Fortbestand so mancher Filiale droht das jetzt zur Gefahr zu werden.

"Die Kundennachfrage ändert sich. Es gibt einen Trend weg vom stationären Einkauf, zum Online-Shopping. Diesem Strukturwandel müssen wir Rechnung tragen, indem wir das Filialnetz überarbeiten", sagt Tina Müller, die Chefin der größten deutschen Parfümeriekette Douglas, die unter anderem in Offenburg, Freiburg und Villingen Filialen unterhält.

"Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem wir in Deutschland mehr E-Commerce-Unternehmen sein werden als stationärer Händler." Tina Müller, Douglas
"Wir werden immer mehr zum E-Commerce-Unternehmen", betont sie. In Deutschland liege der Anteil des Online-Handels am Umsatz bereits bei 40 Prozent. "Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem wir in Deutschland mehr E-Commerce-Unternehmen sein werden als stationärer Händler."

Die Fortschritte im Online-Handel halfen dem Konzern, die Auswirkungen der Corona-Krise in Grenzen zu halten. Für so manche Filiale dürfte der Trend allerdings nichts Gutes bedeuten. Die Konzernchefin lässt keinen Zweifel daran, dass nicht alle der 2400 Geschäfte die "Überarbeitung" des Filialnetzes überleben werden. Immerhin verrät sie: "Deutschland wird tendenziell weniger von Ladenschließungen betroffen sein als Südeuropa."

Viele Unternehmen wollen ihre Filialnetze straffen

Allein ist Müller mit ihren Plänen, das Filialnetz zu straffen, nicht. Fast zeitgleich kündigte am Donnerstag der Chef des Elektronikhändlers Ceconomy (Mutter von Mediamarkt und Saturn), Bernhard Düttmann, Einschnitte bei den konzerneigenen Ketten Mediamarkt und Saturn an. In einem ersten Schritt sollen europaweit 14 der mehr als 1000 Filialen geschlossen werden. Auch drei von 426 Läden in Deutschland seien betroffen, sagte Düttmann. Welche Filialen das sind, verriet er nicht. Und es könnten noch einige Geschäfte hinzukommen, die angesichts der Corona-Krise nicht mehr rentabel zu betreiben seien, hieß es. In Südbaden gibt es Saturn-Märkte in Freiburg und Müllheim. Mediamarkt ist in Freiburg, Emmendingen, Offenburg und Lahr vertreten. Außerdem hat die Kette Filialen in Basel und Pratteln.

Auch für Ceconomy hat der E-Commerce in den Monaten der Covid-19-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Die Online-Umsätze des Elektronikhändlers stiegen im dritten Quartal um satte 145 Prozent. Auf das Online-Geschäft entfiel damit mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes. Auch nach der Wiedereröffnung der Läden blieb die Nachfrage in den Online-Shops hoch. Sind die teuren Filialen in den Einkaufsstraßen im Zeitalter des E-Commerce also nur noch ein Klotz am Bein? Ceconomy-Chef Düttmann will davon trotz der angekündigten Filialschließungen nichts wissen: "Die Geschäfte bleiben das Herz unseres Unternehmens – auch in Zeiten des E-Commerce", betonte er. Als Showroom seien sie unverzichtbar.

Und auch Douglas-Chefin Müller sieht das nicht anders. "Die Rolle der Filialen wird sich ändern – von einer reinen Abverkaufsstation zu einem Ort für den Erlebniseinkauf" sagt sie. Es gehe darum, dort die Produkte zu präsentieren, sodass die Kundinnen und Kunden sie sehen, riechen und erleben können. "Wir Frauen wollen, bevor wir einen Lippenstift kaufen, sehen, wie er auf der Lippe oder zumindest der Hand aussieht, und wir wollen den Duft des Parfüms riechen, bevor wir es kaufen. Da wird die Filiale ihre Rolle immer behalten." Die Douglas-Chefin will bei der Neuordnung des Ladennetzes nichts übereilen. Erst im Januar möchte sie das neue Konzept vorstellen. "Wir möchten uns noch genauer anschauen, wie nachhaltig der Wechsel der Kunden vom Offline- zum Online-Einkauf ist, vor allem auch, wie sich das im wichtigen Weihnachtsgeschäft entwickelt", betont sie.