Schon wieder ein neuer Audi-Chef

Thomas Magenheim-Hörmann

Von Thomas Magenheim-Hörmann

Sa, 16. November 2019

Wirtschaft

Markus Duesmann folgt im April 2020 auf Bram Schot, der vor Kurzem Rupert Stadler ersetzt hat.

MÜNCHEN. Markus Duesmann ist ein Kind der industriellen Revolution. "Children of the Industrial Revolution" lautet jedenfalls der Name der Punkrock-Band, in der Markus Duesmann als Schüler einmal Schlagzeug gespielt hat. Ab dem Frühjahr gibt der heute 50-Jährige bei der VW-Premiumtochter Audi in Ingolstadt den Takt vor.

20 Monate wird es dann gedauert haben, bis der gebürtige Münsterländer auf dem für ihn schon länger reservierten Chefsessel Platz genommen hat. Bereits im Juli 2018 ist der damalige BMW-Einkaufschef bei seinem alten Arbeitgeber ausgeschieden. Weil sein Vertrag aber eine Sperrklausel beinhaltete, BMW den Aderlass in Richtung VW satthatte, mussten Duesmann und VW warten.

Nun bekommt Audi einen Chef, der anders ist als andere. Ein Autonarr zu sein gehört zur Berufsbeschreibung derartiger Konzernbosse. Aber nicht jeder von ihnen fährt wie Duesmann leidenschaftlich Motorrad. Er bockt es auch gern im heimischen Wohnzimmer auf. Der trotz imposanter Statur bisweilen jugendhaft wirkende Westfale liebt einfach, was röhrt.

Menschlich gilt der Vater einer Tochter als nahbar und locker. Man sieht ihn oft lachen, was dann nicht gekünstelt, sondern echt wirkt. Audi wollte Duesmann unbedingt haben. Genau genommen war es VW-Chef Herbert Diess, der das wollte. Er kennt den Audi-Chef in spe von gemeinsamen Zeiten bei BMW und lernte ihn dort auch als Fachmann schätzen. Maschinenbau-Ingenieur Duesmann versteht nicht nur etwas von Einkauf, Formel 1 und Motorrädern. Seit seinen beruflichen Anfangsjahren bei Mercedes kennt er sich auch mit Motorenentwicklung für Premiumautos aus. Für BMW hat er unter anderem den Bereich Antrieb geleitet und zuletzt als Einkaufschef eine Kooperation mit dem chinesischen Batteriehersteller CATL ausgehandelt, der jetzt eine Fabrik für Batteriezellen in Erfurt baut.

Von seinem technischen Wissen her deckt der Manager also Gegenwart und elektrische Zukunft der Autoindustrie ab. Das sind keine schlechten Voraussetzungen, um Audi wieder zu dem Zugpferd im VW-Stall zu machen.

Dazu hat Vertriebsexperte Schot, der nach der Inhaftierung seines Vorgängers Rupert Stadler Mitte 2018 zum kommissarischen und vorigen Dezember zum regulären Audi-Chef bis 2021 berufen worden war, schon Vorarbeiten geleistet. In der jetzigen Lage brauche aber Audi wieder einen Techniker an der Spitze, heißt es in Wolfsburg und Ingolstadt. Bis wieder der Werbeslogan "Vorsprung durch Technik" ohne kriminelles Zutun eingelöst werden kann, ist noch einiges zu tun.

Wie man sich durchsetzt, weiß Duesmann seit der Kindheit. Der Vater ist früh verstorben. Als Halbwaise musste der Münsterländer schneller erwachsen werden als andere. Auch bei BMW galt er wegen seines Naturells und Fachwissens bis zuletzt als Hoffnungsträger und war im Haus sehr beliebt. Für die jüngst frisch besetzte Stelle des BMW-Bosses wäre Duesmann nicht chancenlos gewesen. Im Juli 2018 sah es aber so aus, als könnte er im VW-Reich schneller Chef einer Autofirma werden. Auch der Audi-Chefsessel ist für den Diess-Wunschkandidaten fraglos ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter. Bewährt sich der Manager, der privat zu Fuß oder mit dem Rad gern lange Strecken zurücklegt, muss es nicht der letzte sein. Immerhin ist der Audi-Chef in spe gut zehn Jahre jünger als VW-Boss Diess.