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Sieben Regeln für Spender – damit das Geld wirklich ankommt

Ann-Kristin Wenzel

Von Ann-Kristin Wenzel (dpa)

So, 01. Dezember 2019 um 09:45 Uhr

Wirtschaft

Weihnachten ist ein Fest des Gebens. Viele wollen Gutes tun und spenden. Doch nicht immer wird das Geld für den Zweck verwendet, für den es gedacht war.

1: Wissen, was ich will
Spenden ist "eine sehr persönliche Entscheidung", sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Das heißt: Jeder sollte selbst bestimmen, was er wie unterstützen möchte. Das könne eine Organisation sein, aber auch ein einzelner Obdachloser. Ähnlich sieht das Max Mälzer vom Deutschen Spendenrat: Umweltschutz, Kulturförderung, Entwicklungshilfe, Linderung von Armut, Schutz von Kindern – eine Vielzahl von Anliegen könne wichtig sein. Es helfe, sich bewusst zu machen, welches Ziel man verfolgen möchte. "Dann fällt einem die Entscheidung zu spenden leichter, und man grübelt im Nachhinein nicht, ob es das Richtige war", sagt Mälzer.

2: Ohne Druck spenden
Bevor Spender ihre Entscheidung fällen, sollten sie sich informieren – insbesondere dann, wenn es um größere Summen geht. Darauf weist Andreas Rickert von Phineo hin, einer Beratungsstelle für gesellschaftliches Engagement. Bei Fragen zur Hilfsorganisation oder konkreten Hilfsprojekten empfiehlt er, sich zu erkundigen.

Beim Spenden sollte man sich fair behandelt fühlen, betont Wilke. "Klar ist, man sollte auf der Straße insbesondere eine größere Spende oder Fördermitgliedschaft nicht übereilt entscheiden." Dass sich Werber einfach in den Weg stellen, halte das DZI für illegitim. Passanten zurückhaltend anzusprechen, könne aber in Ordnung sein. Die Verbraucherzentralen raten zur Vorsicht, wenn Werbung vor allem auf Gefühle abzielt. Mitleiderregende Bilder anstelle von Hinweisen zur Spendenverwendung seien Kennzeichen unseriöser Werbung, so der Hinweis.

3: Vertrauenswürdigkeit klären
Wenn eine Organisation als gemeinnützig anerkannt wurde, ist das ein erstes Indiz für Vertrauenswürdigkeit. "Das Finanzamt führt zwar keine umfassende Kontrolle durch, aber es prüft, dass es eine zweckgerichtete Geschäftsführung gibt", erläutert Mälzer. Wichtig sei aber auch, dass transparent mit bestimmten Informationen umgegangen wird. "Seriöse Organisationen veröffentlichen regelmäßige Tätigkeits- oder Jahresberichte", nennt Mälzer als Beispiele. In den Berichten werden die Gremien, Finanzen und konkreten Projekte beschrieben. "Ich sollte nach dem Querlesen des Jahresberichts das Gefühl haben, dass ich die Organisation besser kenne, dass ich weiß, wie viel Geld sie einnimmt und wofür sie das Geld aufwendet", erklärt Wilke.

Ein Pluspunkt ist seiner Ansicht nach, wenn die Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft unterzeichnet wurde. Sie sieht vor, dass bestimmte Grunddaten öffentlich gemacht werden, darunter Satzung, Tätigkeitsbericht und Personalstruktur der Organisation. Mehr als 1200 Organisationen bekennen sich dazu. Auch die gut 60 Mitglieder des Deutschen Spendenrats verpflichten sich zu Transparenz. Nach der Prüfung durch Wirtschaftsprüfer können sie zudem ein Spendenzertifikat erhalten.

4: Siegel als Pluspunkt
Orientierung bieten Siegel. Besonders bekannt ist das Spendensiegel, das die DZI an seriöse Organisationen vergibt. Derzeit tragen es rund 230 Initiativen. Voraussetzung dafür sind unter anderem eine funktionierende Planung und Kontrolle, zweckgerichtete, wirksame und sparsame Mittelverwendung sowie sachliche und wahre Werbung. Allerdings werden nur Organisationen geprüft, die in den beiden jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahren jährlich jeweils mehr als 25 000 Euro eingenommen haben. Zudem muss die Organisation für die jährliche Prüfung zahlen. Trägt eine Initiative das DZI-Spendensiegel nicht, heißt das also nicht automatisch, dass sie unseriös ist.

Auf ihrer Websitegibt die aus öffentlichen Mitteln finanzierte Stiftung auch Informationen zu Spendensammlern ohne Siegel. Vor manchen warnt sie ausdrücklich. Gründe seien "etwa unangemessen drängende Werbung, undurchsichtige Organisationsstrukturen oder unvertretbar hohe Werbe- und Verwaltungskosten".

5: Wirkungsvolle Projekte finden
Viele Spender wünschen sich, dass am Ende möglichst viel Geld beim Wunschprojekt ankommt. Doch auch für Verwaltung und Werbung müssen die Organisationen etwas einplanen. Das DZI vergibt sein Spendensiegel nur an solche, die ihre Werbe- und Verwaltungskosten bei unter 30 Prozent halten. Im Durchschnitt sind die Kosten bei den Organisationen mit Siegel mit zwölf Prozent sogar deutlich niedriger, wie Wilke betont.

Wichtig ist aber auch, welche Veränderung ein Projekt wirklich bewirkt. "In einem guten und ausführlichen Jahresbericht wird man das Thema Wirkung ausdrücklich adressiert finden", sagt Wilke. Außerdem gilt: "Je näher man an der Zielgruppe dran ist, desto einfacher ist es, Wirkung zu erzielen", erläutert Rickert. Dabei komme es auf den Spender an, ob er lieber schnell ein Ergebnis sehen möchte, oder sich eher langfristigen Erfolg wünscht – etwa nachdem rechtliche Änderungen in einem Land umgesetzt wurden. Das gemeinnützige Beratungsunternehmen Phineo analysiert nach eigenen Angaben das Potenzial von Projekten, wirkungsvoll zur Lösung eines konkreten Problems beizutragen. Danach haben rund 300 von 1000 untersuchten Organisationen das sogenannte Wirkt-Siegel verliehen bekommen.

6: Lieber Geld statt Sachen
"Der Königsweg sind in den allermeisten Fällen Geldspenden", sagt Mälzer. Zwar können auch ein warmer Mantel oder feste Schuhe Bedürftigen helfen. Doch solche Sachspenden sind laut Mälzer "für Organisationen aufwendiger, als man denkt". Das gilt vor allem, wenn sie nicht direkt übergeben werden, oder in Katastrophenfällen, wie nach einem Tsunami oder einem Erdbeben. Wer trotzdem Gegenstände spenden möchte, sollte sich erst erkundigen, was die Organisationen brauchen. So haben zum Beispiel Kinderdörfer manchmal mehr Verwendung für Fahrradersatzteile oder sogar für Deos als für Spielsachen.

7: Möglichst ohne Zweckbindung
Organisationen können durch eine Zweckbindung dazu verpflichtet werden, die Spende für etwas ganz Bestimmtes einzusetzen. Dabei gibt der Spender oder die Spenderin bei der Überweisung einen Verwendungszweck an. Damit erreichen die Gebenden zwar eine gewisse Kontrolle. Aber: "Zweckbindungen sind zumindest dann schwierig, wenn ein Zweck gegebenenfalls schnell erfüllt ist", erläutert Mälzer. Ein Beispiel wäre, wenn für die Behandlung einer seltenen Krankheit bei einem Kind gespendet wird, die Krankenkasse dann wider Erwarten aber doch für die Therapie aufkommt. Dann müssen die Gelder zurückgezahlt werden – und können nicht für einen anderen Zweck verwendet werden. "Selbst wenn auch ein anderes Kind das Geld gebrauchen könnte", so Mälzer.