Solarenergie im Aufwind

dpa

Von dpa

Mi, 14. August 2019

Wirtschaft

Chef des Freiburger ISE sieht Chancen, die Solarzellenproduktion in Deutschland wiederzubeleben.

FREIBURG/ESSEN (dpa). Für die Solarenergie in Deutschland ist 2019 bislang ein gutes Jahr. Photovoltaikanlagen speisten im ersten Halbjahr rund 25 Terawattstunden in das öffentliche Stromnetz ein – 5,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und fast so viel wie die deutschen Steinkohlekraftwerke. Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg ermittelt hat, war die Photovoltaik im besonders sonnenreichen Juni sogar erstmals die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat – vor der Braunkohle und der Windkraft.

Auch beim Anschluss neuer Solaranlagen gehen die Zahlen bergauf. Von Januar bis Mai wurden rund 40 000 Solaranlagen mit zusammen etwa 1800 Megawatt Spitzenleistung neu installiert. Das ist zwar weit vom Spitzenjahr 2012 entfernt, als insgesamt fast 8000 Megawatt neu ans Netz gingen. Aber den drastischen Einbruch der vergangenen Jahre hat die Branche nach Einschätzung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) überwunden. Bis zu 4000 Megawatt Leistung könnten in diesem Jahr insgesamt dazu kommen, schätzt der Verband.

Ohne einen verstärkten Ausbau der Solarenergie werde Deutschland die selbst gesetzten Klimaziele verfehlen. "Wir bekommen durch die Klimabewegung einen massiven Druck, mehr Photovoltaik zu installieren", sagt Andreas Bett, der Leiter des Fraunhofer-ISE. Erforderlich sei ein jährlicher Zubau von 5 bis 15 Gigawatt. Aktuell sind in Deutschland knapp 48 Gigawatt Solarleistung installiert. "Der Markt ist da, und er wird weiter wachsen", ist der Freiburger Wissenschaftler überzeugt.

Die Branche verweist auf die stark gesunkenen Kosten für Anlagen auf Dächern und Freiflächen. Sorgen bereitet ihr allerdings der nahende Förderstopp: Nach bisheriger Gesetzeslage sollen neue Solarstromanlagen auf Gebäuden nicht mehr gefördert werden, sobald insgesamt eine Marke von 52 Gigawatt installierter Photovoltaik-Kapazität erreicht ist. Die Bundesregierung müsse den Förderdeckel aufheben, fordert König, "andernfalls steuern wir bereits in wenigen Monaten auf einen drastischen Einbruch des Solarzubaus zu".

Fraunhofer-Forscher Bett sieht Chancen, in Deutschland wieder Solarzellen in größerem Stil zu produzieren. Forschung und Entwicklung seien noch auf ganz hohem Niveau. "Es muss aber jetzt die Produktion aufgebaut werden." Einen Kostennachteil sieht Bett nicht. "Die Produktionskosten wären in Deutschland nicht höher als in China, weil die Herstellung stark automatisiert ist." Der wachsende Anteil der Transportkosten am Gesamtpreis für PV-Module aus Asien spreche zudem für eine Fertigung in Deutschland. Der Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa werde aber nur gelingen, "wenn die Politik für faire Wettbewerbsbedingungen sorgt".

Aussichtsreich sei vor allem die Produktion hocheffizienter Solarmodule, die etwa an Gebäuden oder Lärmschutzwänden installiert werden könnten. "Weil die Akzeptanz für Photovoltaik auf Freiflächen sinkt, ist das eine Riesenchance", sagte der Wissenschaftler.