Verbraucherschützer warnen vor Cyberpolicen

Thomas Magenheim

Von Thomas Magenheim

Sa, 15. Juni 2019

Wirtschaft

Von Versicherungen, die Risiken im Internet abdecken, wird abgeraten / Die Haftpflicht bietet schon viel Schutz.

Private Cyberpolicen, die Risiken bei der Nutzung des Internets abdecken, sind noch ein Nischenprodukt. Aber sie werden von immer mehr Versicherern angeboten. "Das Angebot nimmt zu, und das bei Beiträgen zwischen 40 und 700 Euro pro Jahr", sagt die Rechtsanwältin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Elke Weidenbach.

Sie hält solche Policen, deren Deckungsumfänge und Beitragshöhen sehr unterschiedlich sind, oft für nicht sinnvoll. Vielmehr sei viel in bestehenden Policen abgesichert – von Haftpflicht, über Hausrat bis zu Rechtsschutz. Eine spezielle Cyberpolice erübrige sich dann. Zudem hänge es sehr vom Schadenszenario ab, ob man überhaupt einen Versicherungsschutz braucht. Jedes Cyberrisiko sei zudem nicht versicherbar. Keine Versicherung übernehme zum Beispiel Abmahnkosten, wenn sich jemand Musik oder Filme unerlaubt aus dem Internet herunterlädt und dabei erwischt wird, stellt die Juristin klar.

Versicherungsfähig seien dagegen prinzipiell Kosten für Datenrettung, wenn ein Privatcomputer gehackt und so manipuliert worden ist, dass man ihn nicht mehr benutzen kann. Cyberpolicen kommen auch für Schäden bei Dritten auf, wenn man unwissentlich eine mit Viren verseuchte Datei an jemanden weitergeleitet hat. Sie zahlen je nach Deckungsumfang, wenn jemand das eigene Geldkonto oder gleich die ganze digitale Identität geknackt und Waren auf eine fremde Rechnung bestellt hat.

Dabei seien die Summen aber gedeckelt, für die Versicherungen aufkommen, stellen die Verbraucherschützer klar. Datenrettung sei oft nur bis zu einer Summe von 1000 Euro versichert. Bei sonstigen Cyberschäden lägen übliche Limits bei 10 000 Euro. Für das Szenario eines gehackten Geldkontos empfiehlt Weidenbach, vor dem Abschluss einer Police erst einmal Rücksprache mit der eigenen Bank zu halten. Oft übernehme die ein solches Risiko, dann brauche man dafür gar keine Versicherung.

Grundsätzlich würden Versicherer auch bestimmte Sicherheitsstandards davon abhängig machen, dass eine Cyberpolice im Schadensfall überhaupt zur Zahlung verpflichtet. Dazu zählen ein sicheres Passwort oder ein aktueller Virenscanner, wobei man sich vom Versicherer am besten schriftlich geben lassen sollte, was er jeweils unter sicher und aktuell versteht. Am besten sei es immer noch, dubiose Mails zu ignorieren oder wichtige Daten zusätzlich extern in einer Datenwolke abzulegen sowie bestehende Policen auf dortige Cyberschutzklauseln zu durchforsten, so die Empfehlung.