Vom Corsa bis zum Maserati

dpa

Von dpa

Sa, 02. November 2019

Wirtschaft

Fusion von PSA und Fiat Chrysler soll Milliarden einsparen / Land Hessen warnt vor Folgen für Opel.

ROM/PARIS (dpa). Der französische Autokonzern PSA und der italienisch-amerikanische Hersteller Fiat Chrysler sind sich einig: Sie wollen fusionieren und als neuer Auto-Riese die kriselnde Branche aufmischen. Rund 400 000 Mitarbeiter wären dort beschäftigt. Die Konzerne versichern, dass sich mit der Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen ließen, ohne eine Fabrik zu schließen.

Die Effizienzgewinne, die sich etwa aus Einsparungen beim gemeinsamen Einkauf ergeben, lassen sich nach Angaben der Konzerne nach vier Jahren auf 80 Prozent heben. Allerdings wird der Zusammenschluss zunächst einmal teuer: PSA und Fiat Chrysler rechnen mit einmaligen Kosten von 2,8 Milliarden Euro.

Der neue Konzern könnte 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzen. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als elf Milliarden Euro – ohne die Zulieferer Magneti Marelli und Faurecia. Es wäre der viertgrößte Autohersteller der Welt mit riesigen Produktions- und Absatzzentren in Europa und Amerika. Nur Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären noch größer.

Der Zusammenschluss ist kein Zufall, denn die Branche steht unter enormem Druck. Autobauer müssen Milliarden in autonome Autos und Elektromobilität investieren. Fiat Chrysler hatte unter der Führung des verstorbenen Sergio Marchionne auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Hersteller vor allem mit großen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in den USA erfolgreich. Nun ist Fiat Chrysler in die roten Zahlen gefahren: Im dritten Quartal lag der Verlust unter dem Strich bei 179 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Fiat Chrysler noch 564 Millionen Euro Gewinn verbucht.

IG Metall reagiert zurückhaltend

In den neuen Mega-Konzern kann Fiat Chrysler vor allem sein gut ausgebautes Vertriebsnetz in Nordamerika einbringen. Es würde den Markteinstieg von Peugeot in Amerika erheblich erleichtern. PSA ist dafür in Europa stärker und auch bei der Entwicklung von Hybrid- und Batterie-Fahrzeugen weiter als die Italoamerikaner.

Im neuen Unternehmen wird ein Zusammenschluss "unter Gleichen" mit einem ausgewogen besetzten Vorstand angestrebt. PSA-Chef Carlos Tavares (61) soll Vorstandsvorsitzender werden. Der Portugiese hat sich als knallharter Sanierer bei Peugeot und Opel einen Namen gemacht. John Elkann, Verwaltungsratsvorsitzender von Fiat Chrysler, würde diese Rolle auch im neuen Unternehmen einnehmen. Der 43-Jährige ist Enkel des legendären Fiat-Bosses Giovanni "Gianni" Agnelli (1921 bis 2003) und Ururenkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli Senior (1866 bis 1945). Das italienische Traditionsunternehmen war 2014 in Fiat Chrysler Automobiles aufgegangen.

Zu PSA gehört seit gut zwei Jahren der deutsche Autobauer Opel. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall reagierte vorsichtig auf die geplante Fusion. Spekulationen über mögliche negative Folgen für die deutschen Opel-Standorte seien "kontraproduktiv und schädlich", sagte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Die IG Metall werde sich deshalb nicht daran beteiligen.

Die hessische Landesregierung warnte vor Folgen für Opel. "Die Zukunftsfähigkeit von Opel muss gesichert sein", forderten Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in Wiesbaden. Ein Zusammenschluss berge Chancen, dürfe aber nicht zu Lasten des Autobauers und der deutschen Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach gehen. Auch die französische Regierung verlangt, alle Produktionsstandorte in Frankreich zu erhalten.

Neben Opel gehören zu PSA die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach. Die Fusion wäre die größte seit dem – letztlich gescheiterten – Zusammenschluss von Daimler-Benz, Chrysler und Mitsubishi 1998.