Weise erwarten keine Krise

dpa

Von dpa

Do, 07. November 2019

Wirtschaft

Der deutschen Wirtschaft bleibt laut Ökonomen eine tiefe Rezession erspart / Staat soll investieren.

BERLIN (dpa). Der jahrelange Aufschwung in Deutschland ist zu Ende – droht nun eine schwere Wirtschaftskrise? Die fünf Wirtschaftsweisen als Top-Berater der Bundesregierung sehen diese Gefahr derzeit nicht.

Sie geben der Bundesregierung aber eine klare Botschaft mit auf den Weg: Sie muss mehr tun, damit Wachstumskräfte gestärkt werden. Also Unternehmen entlasten und mehr in Bildung und Forschung sowie den Ausbau des schnellen Internets investieren – und sich notfalls höher verschulden. Denn es gibt große Zukunftsaufgaben: den digitalen Wandel, der die Arbeitswelt tiefgreifend verändert und den Kampf gegen den Klimawandel.

Deutschland stehe an der Schwelle zu einem neuen, herausfordernden Jahrzehnt, sagte der Vorsitzende der fünf Weisen, Christoph Schmidt, am Mittwoch. Vor allem die exportstarke deutsche Industrie wird von einer schwächeren Weltwirtschaft, internationalen Handelskonflikten und dem Brexit belastet. Außerdem steigen die Unsicherheiten, wie sich die Konjunktur entwickelt – deswegen investieren viele Firmen weniger.

Wie zuvor die Bundesregierung senkte auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Konjunkturprognose. Das Gremium, kurz Wirtschaftsweise genannt, erwartet nun für 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,5 Prozent und von 0,9 Prozent im kommenden Jahr. Dabei gibt es 2020 mehr Arbeitstage (Kalendereffekt) – allein dadurch steigt das BIP um 0,4 Prozent.

Das sind trübe Aussichten – 2018 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt noch um 1,5 Prozent gestiegen. Auf den Arbeitsmarkt und die Entwicklung von Einkommen hat dies aber bisher noch keine großen Folgen. Die Binnenwirtschaft läuft weiter gut, vor allem Handwerk und Bau machen gute Geschäfte.

Die Bundesregierung müsse nun aber mehr machen, um die Wirtschaft anzukurbeln, fordern die Ökonomen. Dabei geht es um Fragen wie: Wie können wieder mehr Firmen in Deutschland gegründet werden – mit mehr Wagniskapital?

Die Ökonomen sind gegen Konjunkturprogramme. Stattdessen gehe es darum, im Falle eines Einbruchs bestehende Instrumente wirken zu lassen. Als ein solches gilt das Kurzarbeitergeld. Zugleich verweisen die Ökonomen darauf, dass die Schuldenbremse eine Neuverschuldung nicht ausschließe und Spielräume für eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen lasse. Auch eine Lockerung der "schwarzen Null" halten die Wirtschaftsweisen für denkbar.