Wenn sich die unbezahlten Rechnungen häufen

Ann-Kristin Wenzel

Von Ann-Kristin Wenzel (dpa)

Sa, 25. Januar 2020

Wirtschaft

Schuldnerberater helfen Verbrauchern mit hohen Verpflichtungen, ihre Finanzen wieder in den Griff zu bekommen / Letzter Ausweg ist die Verbraucherinsolvenz.

Die unbezahlten Rechnungen häufen sich, aber wie zahlen? In der Schuldnerberatung soll ein Ausweg gefunden werden. Berater versuchen dort, die finanzielle Situation gemeinsam mit den Betroffenen wieder in den Griff zu bekommen. Was Verbraucher dort erwarten dürfen, erklärt Schuldnerberater Georg Eickel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen.

Ansprechpartner vor Ort
In manchen Städten können Verbraucher sich an die Sozialämter wenden. In Südbaden bietet die Stadt Freiburg einen solchen Service an, die jeweiligen Landratsämter tun das ebenfalls. Als Anlaufstellen nennt die Bundesregierung in einem Ratgeber ansonsten den Deutschen Caritasverband, das Diakonische Werk, das Deutsche Rote Kreuz, den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, die Arbeiterwohlfahrt und die Verbraucherzentralen. Die meisten Menschen kämen allerdings erst, wenn Krisen wie Stromsperren oder Wohnungsverlust drohen, ist Eickels Erfahrung. "Wir wünschen uns, dass Verbraucher so früh wie möglich kommen", sagt er.

Schulden summieren sich schnell
Eine bestimme Schuldensumme als Grenze zur Überschuldung gibt es nicht, sagt Eickel. Je nach Lebenssituation könnten auch kleine Summen schnell zu großer Not führen. Dazu komme: "Aus einer kleinen Rechnung wird eine größere, allein schon wegen der Mahn- und Inkassogebühren. Und daraus wird eine Überschuldungslage", so der Fachmann.

In einem ersten Gespräch versuchen Schuldnerberater, die Lage zu erfassen: "Überschuldete sind mehrfach belastet, aber geben das nicht immer zu erkennen", erklärt Eickel. Wie ist die Familiensituation, die Gesundheit – und welche Einnahmen, Ausgaben und Schulden hat der Verbraucher tatsächlich?

Laufende Kosten
geraten aus dem Blick

"Oft wissen die Menschen nicht, welche Versicherungen sie zahlen und welche Rechnungen sie halbjährlich bezahlen", hat der Schuldnerberater erlebt. Gemeinsam wird dann ein Haushaltsplan erarbeitet und immer wieder aktualisiert. Daneben sei aber auch die ganzheitliche Beratung wichtig, nach Möglichkeit werden auch Familienmitglieder mit einbezogen.
"Das passiert in mehreren Sitzungen. Bei uns dauert die Beratung im Schnitt ein Jahr bis eineinhalb Jahre", erklärt Eickel. Wenn genug Geld da ist, um das Leben bestreiten zu können, versuchen Schuldnerberater, einen Vergleich mit den Gläubigern zu erzielen. "Der Schuldner zahlt dann über Monate hinweg jedem einen Teil seines Geldes."

Als letzter Ausweg bleibt aber manchmal nur die Verbraucherinsolvenz. Innerhalb von sechs Jahren können sich Überschuldete so von ihren Schulden befreien. Wichtig: "Kein Schuldner ist auf das Wohlwollen von Gläubigern angewiesen."

Weitere Informationen bietet ein Ratgeber der Bundesregierung: https://mehr.bz/schuldnerberatung