VDA sucht neuen Chef

Wird Gabriel Chef-Lobbyist der Autoindustrie?

dpa, afp, bz

Von dpa, afp & BZ-Redaktion

So, 27. Oktober 2019 um 18:23 Uhr

Wirtschaft

Medienberichten zufolge ist der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel Favorit für den Chefposten beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Es gibt aber auch eine Kandidatin.

Erst war der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger im Gespräch, jetzt soll es angeblich Sigmar Gabriel werden: Der frühere SPD-Vorsitzende ist laut Bild am Sonntag Favorit für den Chefposten beim Verband der Automobilindustrie (VDA). "Gabriel ist zu 99 Prozent sicher", zitiert die Zeitung einen nicht genannten Manager. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung brachte am Wochenende mit der früheren CDU-Politikerin Hildegard Müller eine weitere Kandidatin ins Gespräch.

Der Posten des obersten Auto-Lobbyisten muss zum Jahresende neu besetzt werden, Amtsinhaber Bernhard Mattes hatte im September seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt. Der frühere Ford-Manager ist seit März 2018 VDA-Präsident. Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800 000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie. Der Verband gilt als schwer zu führen, weil er die verschiedenen Interessen der Hersteller und der Zulieferer unter einen Hut bringen muss. Die Autoindustrie war wegen des Dieselskandals schwer unter Druck geraten. Weitere große Themen sind die Klimadebatte und der Umbau zur E-Mobilität.

Gabriel hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, zum 1. November sein Bundestagsmandat vorzeitig niederzulegen. Der Niedersachse sitzt seit 2005 im Bundestag. Von 2009 bis 2017 war er Vorsitzender der SPD. Er war zudem Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister. Als Ministerpräsident des Autolands Niedersachsen saß er im VW-Aufsichtsrat. In der SPD hieß es am Wochenende nur, man wolle Spekulationen nicht kommentieren.

Gabriels angebliche Konkurrentin Müller war früher Kanzleramtsministerin und Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel. Im Oktober 2008 wechselte sie als Hauptgeschäftsführerin zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). 2016 wurde Müller Vorstand für Netz und Infrastruktur beim Energieunternehmen Innogy (damals noch RWE), vor gut zwei Wochen gab sie dieses Amt ab. Müller wäre die erste Frau an die Spitze des Autoverbands. Um die Mattes-Nachfolge wird schon länger spekuliert: Im September hatte der Spiegel den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) ins Gespräch gebracht. Oettinger hatte am Tag darauf aber abgewunken.