100-Milliarden-Euro-Marke in Sichtweite

dpa

Von dpa

Mi, 22. Januar 2020

Wirtschaft

Internethandel in Deutschland wächst weiter stark / Verband fordert größenabhängiges Porto.

HAMBURG (dpa). Trotz Problemen bei der Zustellung und Kritik an Retourenvernichtung shoppen die Deutschen online so viel wie noch nie. Die Händler könnten in diesem Jahr die Marke von 100 Milliarden Euro Umsatz knacken.

Die Branche sieht auch nach vielen Jahren mit starkem Wachstum keine Anzeichen, dass der Trend zum Online-Kauf nachlassen könnte. 2019 bestellten Verbraucher Waren und Dienstleistungen im Wert von 94 Milliarden Euro brutto im Distanzhandel, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel am Dienstag mitteilte. Das entspricht einem Plus von knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Gründe für das Wachstum sind nach einer Studie im Auftrag des Verbandes unterschiedlich. Rund ein Drittel der Bestellungen kommt mobil von Tablets und Smartphones. Vor fünf Jahren waren es knapp 20 Prozent. "Immer und überall kann bestellt werden, das ist ein wichtiger Wachstumsfaktor", sagte Verbandspräsident Gero Furchheim. Auch die Bestellfrequenz nehme zu. Ein Drittel der Käufer gab an, mehrmals die Woche online einzukaufen. Vor fünf Jahren waren es nicht einmal ein Fünftel. Gleichzeitig sei die Zufriedenheit mit dem Online-Handel gestiegen, so Furchheim.

Im Handel mit Waren (ohne Dienstleistungen wie Reisen oder Konzertkarten) wurden knapp 74,4 Milliarden Euro umgesetzt. Verbraucher kaufen demnach besonders gerne Bekleidung, Elektronikartikel und Computerzubehör im Internet. Den höchsten Zuwachs weisen aber Lebensmittel, Haushaltsgeräte sowie Haus- und Heimtextilien aus. Dabei shoppen Frauen der Studie zufolge eher Tierbedarf, Bekleidung oder Drogerieprodukte, wohingegen Männer bei Elektronik, Computern und Auto- oder Motorradbedarf vorne liegen.

Bei den Retouren ist laut Studie "kein großer Trend" zu verzeichnen. Die Rücksende-Absichten der Verbraucher sind demnach nur leicht gesunken: 87,5 Prozent der Befragten hätten angegeben, beim Kauf keine Rücksendung geplant zu haben – ein Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die meisten zurückgeschickten Waren würden wieder aufgearbeitet, so Furchheim. Der Verband fordere, dass es nicht günstiger sein dürfe, Ware zu vernichten, als sie zu spenden. Dazu müsse eine ungünstige Regelung bei der Umsatzsteuer verändert werden.

Um nachhaltiger zu werden, sprach sich der Verband für ein volumenabhängiges Porto aus. Die Versandgebühr solle nicht nach Gewicht, sondern nach Größe berechnet werden. Dadurch seien Händler und Logistiker angehalten, weniger Verpackung zu verbrauchen. Zudem spare es Platz bei Lagerung und Zustellung.