Orgelnacht mit französischem Charme

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Di, 02. Juli 2019

Neuried

Wunderbar unterhaltende Töne beim Konzert zum zehnjährigen Bestehen des Arbeitskreises Kultur in der Kirche Altenheim .

NEURIED-ALTENHEIM. Einstimmung, Unterhaltung, Traumreise: Das sind die passenden Schlagwörter für die gelungene Orgelnacht in der Altenheimer Friedenskirche anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Arbeitskreises Kultur in der Kirche. Mehr als 60 Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen. Das reichhaltige musikalische Programm und ausgedehnte Roséwein-Pausen sorgten für fast südfranzösisches Flair.

Der pensionierte Pfarrer Bodo Holthaus, der den Abend moderierte, hatte einst die Gründung des Vereins angeregt, nachdem die Kirche ihr modernes Interieur erhalten hatte und die bemerkenswerte Orgel mit 39 Registern von Karl Göckel konzipiert und eingebaut worden war. "Wenn ich mir anschaue, was geblieben ist von meiner Zeit hier, dann ist das die tolle Arbeit des Arbeitskreises", resümierte und lobte er zu Beginn die Arbeit der Ehrenamtlichen, ohne die die evangelische Gemeinde in Altenheim wohl kaum eine nennenswerte Kulturarbeit leisten könne, so Holthaus.

Beweis dieser Bemühungen war das Konzert: Ben Schneider, Kantorin Susanne Moßmann und Hans-Wolfgang Brassel waren die Organistinnen und Organisten, die allein oder zusammen mit den Solisten wie Alexander Sauer (Trompete) und Hans Michael Eckert (Violoncello) ihre jeweils eigenen Programmteile konzipiert hatten. Ben Schneider brachte mit seiner Adaption des "Radetzky-Marsches" von Johann Strauß (Vater 1804 – 1849) Schwung in das Kirchenschiff, so dass Susanne Moßmann zusammen mit Alexander Sauer das Publikum über stilistisch Bekanntes (Barockmusik von Pietro Baldassari und Romantisches von Felix Mendelssohn-Bartholdy) zu an der Orgel eher Unbekanntem führen konnte: Oskar-Frederik Lindbergs (1887 – 1955) "Andante" erinnerte an ein melancholisches skandinavisches Volkslied. Moßmann wählte ein fast ätherisch klingendes, leicht gedecktes Register, um Sauers lyrische Trompete behutsam zu begleiten. Thomas Rieglers (1965) "Laetare" kommt als Samba dahergetanzt (samt agiler Pedalarbeit) und Johannes Matthias Michels (1962) Bossa-Nova-Fassung des Chorals "Wunderbarer König" ist eine kirchenmusikalische Entdeckung. Das alles nur, um das Publikum auf Louis Viernes (1870 – 1937) Carillon de Westminster vorzubereiten, aus dessen "Pièces de Fantaisie, Opus 54". Trompete und Orgel spielen in einem Arrangement von Moßmann und Sauer mit der Geläutmelodie von Big Ben und verlieren sich in ein träumerisches Spiel mit den Dynamiken.

Orgelmusik von Barock bis Spätromantik

Hans Michael Eckert und Hans-Wolfgang Brassel hatten dann freies Terrain für ihre Heranführung an französische Orgelmusik vom Barock bis in die Spätromantik. Louis-Nicolas Clérambaults (1676 – 1749) "Prélude" klingt auf der Göckel-Orgel und durch Brassels Spiel erstaunlich modern. Das Violoncello entfaltet zusammen mit ihr bei Gabriel Faurés (1845 – 1924) Baudelaire-Vertonung von "Après un rêve" fast magische Wirkung – und viel französischen Charme.

Nirgendwo wird das sensible Streichinstrument übertönt, im Gegenteil: Nachdem Brassels die deutsche Übersetzung des Gedichts gelesen hat, entfalten beide Instrumente eine kongeniale, musikalische Dichtung, die noch lange in den Gemütern der Zuhörer nachgehallt haben dürfte, auch wenn Brassels und Eckerts anspruchsvoller Programmteil da noch lange nicht beendet war.

Der Altenheimer Gesangverein gibt am 13. Juli, 19 Uhr, ein Konzert in der Friedenskirche in Altenheim. Das Jahresprogramm steht unter http://www.kulturinderkirche.de.