Nick Nolte statt Dieter Hallervorden

Dieter Osswald

Von Dieter Osswald

So, 17. März 2019

Kino

Der Sonntag So emotional wie das Original: die US-Fassung von Til Schweigers Honig im Kopf.

Bei Schweiger tillt das Feuilleton – und das Publikum strömt. Sein "Honig im Kopf" lockte über 7,4 Millionen Besucher: das katapultiert den Film in die Top 5 der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt. Bei Schweigers Remake auf englisch blieb das Publikum wiederum aus. Nach sechs Tagen Spielzeit mit spärlichen 12 350 Dollar Einnahmen flog der Film aus den US-Kinos. Weshalb der Verleih seinem deutschen Geldesel das Kinoleben so schwer machte, ist rätselhaft. Es gab keine PR-Kampagnen für ein Blockbuster-Remake mit veritablen Hollywood-Stars. Stattdessen ein winziger Plattformstart in nur vier Kinos. Die obligatorische Häme hierzulande ließ nicht auf sich warten. Von der US-Kritik vernichtet, hieß es da. Als Basis genügten vier (!) erschienene Rezensionen. Der größte Flop aller Zeiten? Künstlerisch keineswegs, das Remake gerät so emotional wie das Original. Wie einst Dieter Hallervorden gibt nun der dreifach Oscar-nominierte Nick Nolte den zunehmend umnachteten Großvater Amadeus, mit dem es nach dem Tod der Frau geistig rapide bergab geht. Als er mit seinem Alltag immer schlechter zurecht kommt, holt ihn sein erfolgreicher Sohn Niko von Amerika in sein luxuriöses Familienheim nach London. Während Enkelin Tilda (gut gespielt von Nolte-Tochter Sophia Lane) sich über den Besucher freut, reagiert die Schwiegertochter zunehmend gereizt auf das Chaos, das Amadeus bald in ihrem trauten Anwesen anrichtet. Ihr geliebter Garten wird vom zerstreuten Opa recht eigenwillig gestutzt, nächtens hält er den Kühlschrank für das Klo. Schließlich setzt er versehentlich fast die ganze Küche in Brand. Für Niko und Gattin steht fest: Der Alte muss ins Heim. Doch sie haben die Rechnung ohne ihre Tochter gemacht. Sie zeigt instinktiv Empathie und findet den richtigen Umgang mit ihrem Großvater. Als der Kinderarzt ihr erklärt, wie gut alte Erinnerungen auf demente Patienten wirken, reist die Elfjährige mit Amadeus nach Venedig, wo Opa einst seine Flitterwochen verbrachte.

Im Unterschied zum Original lässt das Remake dem Streit des Paares mehr Raum. Wenn zwischen Dillon und Emily Mortimer die Fetzen fliegen, lässt es Schweiger beim Schnitt krachen. Wer erleben möchte, wie Schauspiel-Ikone Nick Nolte den Part von Dieter Hallervorden stemmt, wird bestens bedient. So langweilig wie das ewige Schweiger-Bashing ist der Film sicher nicht. Dieter Osswald
Head full of Honey, Bundesstart am Donnerstag

.