Noch mehr Absagen und Verschiebungen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 05. April 2020

Fussball International

Viele Großereignisse des Sports erst im Jahr 2021.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, werden immer mehr Großereignisse des Sports überall in der Welt entweder ganz abgesagt oder verschoben – manche gleich um ein ganzes Jahr.

Wimbledon, das wichtigste Turnier der Tennisprofis, findet erst 2021 wieder statt. Die Olympischen Sommerspiele von Tokio wurden ebenfalls um fast genau ein Jahr verlegt. Sie sollen nun nicht am 24. Juli 2020, sondern am 23. Juli 2021 beginnen. Auch die Paralympics der Sportler mit Behinderung werden erst ein Jahr später in Japan über die Bühne gehen. Die Europäische Fußball-Union vertagte oder verlegte die Champions League, die Europa League und Länderspiele. Neue Termine stehen noch nicht fest. Die Uefa will den nationalen Ligen in Europa auf diese Weise ermöglichen, ihre Saison wenn möglich noch bis zum Sommer zu Ende zu spielen. In Deutschland ruht der Ball bis zum 30. April – mindestens.

Offen ist, ob es in diesem Jahr die Tour de France geben wird. Das wichtigste Radrennen der Welt könnte – Stand bei Redaktionsschluss – ohne Zuschauer am Straßenrand stattfinden, auf August verschoben oder aber für 2020 ganz abgesagt werden. Der Tour-Veranstalter ASO hat eine Entscheidung bis Mitte Mai angekündigt.

Auch im südbadischen Sport hat hat kaum noch ein Terminkalender Bestand. Die Tischtennis-Saison zum Beispiel war im März erst unterbrochen und dann am vergangenen Mittwoch ganz abgesagt worden. Der aktuelle Stand wird als Abschlusstabelle gewertet – was zumindest für den Augenblick bedeuten würde, dass Frauen-Zweitligist ESV Weil in der zweiten Bundesliga bleiben wird. Die Erstliga-Fußballerinnen des SC Freiburg befinden sich sozusagen im Homeoffice. "Sie haben detaillierte Pläne und Trainingsmaterial nachhause bekommen", sagte SC-Managerin Birgit Bauer der Badischen Zeitung. Noch können sich die Freiburgerinnen der finanziellen Unterstützung durch den Gesamtverein sicher sein. Allerdings ist es für alle Abteilungen des SC Freiburg von hoher Bedeutung, dass die Erstliga-Männer ihre Saison bis zum Sommer irgendwie noch zu Ende spielen können. Denn nur dann fließt auch das Geld aus der TV-Vermarktung.

Der SC Sand, Südbadens zweiter Frauen-Erstligist aus der Ortenau, muss anders als die Freiburgerinnen finanziell auf eigenen Beinen stehen. Claudia von Lanken, die Leiterin der Geschäftsstelle, schließt Kurzarbeit für ihren Fußballclub im Ortsteil von Willstätt nicht aus. "Wir haben uns intensiv mit der Thematik beschäftigt, aber es gibt noch keine finale Entscheidung", sagte von Lanken. Weil der Frauenfußball in Deutschland praktisch keine TV-Einnahmen generiert, wäre der endgültige Abbruch der Saison wohl noch eher zu verkraften als bei den Männern.

Bahnradfahrer Domenic Weinstein aus Unterbaldingen, einem Ortsteil von Bad Dürrheim, gehört zu den südbadischen Athleten, die sich bereits sicher für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert hatten. In der Verschiebung um ein Jahr sieht der 25-Jährige nun sogar eine Chance. Starke Knieschmerzen hatten ihn im Winter vier Wochen Training gekostet. Jetzt hat er Zeit für einen soliden, langfristigen Formaufbau. "Dass jetzt mehr Zeit bleibt, ist gut fürs Knie", sagte er der Badischen Zeitung. Bleibt die Frage, ob seine Qualifikation auch für das Jahr 2021 noch gilt. Diese Entscheidung liege nicht beim Internationalen Olympischen Komitee, sondern bei den Teilnehmerländern, stellte das IOC am Donnerstag klar.