Spannungen

Nordkorea stoppt vorerst geplante Militäraktionen gegen Südkorea

dpa

Von dpa

Mi, 24. Juni 2020 um 06:54 Uhr

Ausland

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich zuletzt wieder hochgeschaukelt. Jetzt scheint sich die Lage zu beruhigen.

Nach der Drohung mit Militäraktionen gegen seinen Nachbarn Südkorea sendet Nordkorea wieder ein Entspannungssignal aus. Die Zentrale Militärkommission der Arbeiterpartei habe bei einer Vorbesprechung unter Vorsitz von Machthaber Kim Jong Un eine Einschätzung der derzeitigen Lage vorgenommen und beschlossen, "die militärischen Aktionspläne gegen Südkorea" auszusetzen, berichteten die Staatsmedien am Mittwoch. Gründe für die Entscheidung wurden nicht genannt. Bei der Sitzung, die per Videoschaltung abgehalten worden sei, seien auch Dokumente über "Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Kriegsabschreckung" erörtert worden, hieß es.

Ärger über 500.000 in Ballons verpackte Flugblätter

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich zuletzt wieder verschärft. Nordkorea reagierte verärgert auf eine Propagandaaktion südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge, die Ende Mai etwa 500.000 in Ballons verpackte Flugblätter mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Norden geschickt hatten. Pjöngjang warf der Regierung in Seoul vor, diese häufig an der Grenze unternommenen Aktionen zu tolerieren, und drohte mit Konsequenzen.

Mit der jetzigen Entscheidung scheint Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern seinen scharfen Ton weiter abmildern und beiden Seiten vorerst mehr Zeit für eine Lösung geben zu wollen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Militärs, Nordkorea scheine auch wieder Lautsprecher abzubauen, die das Land zuvor für mögliche Propagandasendungen an der Grenze neu installiert habe.

Ohne ausdrücklich von einem Militärschlag zu sprechen, hatte Nordkorea zuletzt Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Nach der Unterbrechung der innerkoreanischen Kommunikationsleitungen und der Sprengung eines gemeinsamen Verbindungsbüros erklärte Nordkoreas Armeeführung in der vergangenen Woche, wieder Militärübungen nahe der Grenze aufnehmen und Soldaten in ehemals gemeinsam genutzte Industrie- und Tourismusgebiete zu verlegen zu wollen. Auch sollten Flugblattaktionen gegen Südkorea vom Militär unterstützt werden.

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un im Februar 2019 in Vietnam stecken nicht nur die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm fest. Auch die innerkoreanischen Beziehungen kommen seitdem nicht voran.