Ab Januar 29020

Die Geburtshilfe Oberkirch macht bald zu

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mo, 08. Juli 2019 um 13:50 Uhr

Oberkirch

Geburten sollen sich ab Januar 2020, so der Wunsch des Ortenau-Klinikums, auf die Standorte Achern und Offenburg verteilen.

2020 wird die Geburtshilfe am Ortenau-Klinikum einen gravierenden Einschnitt erfahren: Von da an soll es, so die Pläne, lediglich noch an den drei Standorten Offenburg, Achern und Lahr geburtshilfliche Stationen geben; jene in Oberkirch wird geschlossen. In Offenburg und Achern laufen die Erweiterungen. Nicht ganz einfach sei das, wie im Klinikausschuss des Kreistags zur Sprache kam.

Die Zahl der an den vier Geburtshilfe-Standorten des Ortenau-Klinikums zur Welt gekommenen Kinder hat auch 2018 wieder die magische Grenze von 4000 überschritten. Die rund 4040 Geburten lagen auf einem ähnlich hohen Niveau wie im geburtenstarken Vorjahr. Die meisten Kinder im Ortenaukreis kamen in Offenburg, Standort Ebertplatz, zur Welt. 2240 Babys verzeichnete die Abteilung dort – rund 50 Kinder mehr als im Vorjahr und somit ein Zuwachs um mehr als zwei Prozent. An zweiter Stelle lag das Klinikum Achern-Oberkirch, das an beiden Standorten zusammen rund 1050 Babys zählte, wobei jedes Haus etwa hälftig beteiligt war. Am Klinikum in Lahr wurden rund 750 Neugeborene gezählt. Von ähnlichen Zahlen wie auch von einer ähnlichen Verteilung 2019 geht die Geschäftsführung des Klinikums aus.

"Ich freue mich über das große Vertrauen der werdenden Eltern in unsere Häuser. Besonders die starken Zahlen im Norden des Kreises bestätigen unser Bemühen, die dortige Geburtshilfe durch eine Hauptabteilung in Achern weiter zu stärken", sagte Geschäftsführer Christian Keller bereits bei der Präsentation der Zahlen kurz vor der Jahreswende. Am Klinikstandort Achern hat zum 1. Oktober 2018 unter der Leitung von Chefarzt Felix Liber die neue Hauptabteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe ihre Arbeit aufgenommen. Ende 2019 soll die Geburtshilfe in Oberkirch geschlossen und in die Hauptabteilung in Achern integriert werden – alles auch ein Teilergebnis der Strukturoptimierungen im Rahmen der Agenda 2030 und des "Modells Landrat", das den Häusern bis dahin einen weiterhin zeitgemäßen Standard ermöglichen soll.

"Ich freue mich über das große Vertrauen der werdenden Eltern in unsere Häuser. Besonders die starken Zahlen im Norden des Kreises bestätigen unser Bemühen, die dortige Geburtshilfe durch eine Hauptabteilung in Achern weiter zu stärken."Geschäftsführer Christian Keller

Hierzu zählt auch eine enge Zusammenarbeit aller geburtshilflichen Kliniken mit dem Mutter-Kind-Zentrum in Offenburg, der unmittelbaren Nähe von Kreißsaal und Kinder-Intensivstation sowie der Einstufung als Perinatalzentrum Level 1. Beim Ortenau-Klinikum geht man derzeit davon aus, dass von den zuletzt in Oberkirch registrierten rund 500 Geburten künftig rund 300 nach Achern "wandern" werden, dann wären es dort etwa 800. Rund 200 Mütter dürften künftig den Weg nach Offenburg finden, wird vermutet, mit dann rund 2400 Geburten.

Bedenken wurden am Donnerstag im zuständigen Klinik-Ausschuss des Kreistags laut, dass die Aufnahmekapazitäten in Achern und Offenburg nicht ausreichend sein würden. Engpässe in diesem Sektor seien überhaupt nicht ungewöhnlich, heute schon vor allem in Offenburg, sagte Klinikum-Geschäftsführer Keller. Das Szenario einer Überlastung kenne man also, Geburtshilfe sei eben "kein planbares Geschäft". Aber man habe immer Mittel und Wege gefunden, Frauen und Babys eine gute Geburt zu ermöglichen. Die zuständigen Chefärzte seien in ständigem, engem Kontakt. Perspektivisch gebe es an den drei künftigen Standorten ausreichend Kapazitäten, versicherte Reinhard Müller, Leiter der Unternehmensentwicklung des Klinikums. Fehlendes Personal, fügte Keller hinzu, bereite ihm "mehr Sorge als die Räume". Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass sich die Umbaumaßnahmen an den Geburtshilfen in Achern und Offenburg noch verzögern könnten: Laut Rainer Stapf (Ortenau-Klinikum) sei es nicht einfach, an Handwerker zu bekommen. Man sei aber optimistisch.