Weiteres Personal dringend benötigt

Christine Storck

Von Christine Storck

Do, 14. November 2019

Offenburg

Die regionalen Standorte des Pflegestützpunktes Ortenau werden aufgestockt / Sozialausschuss des Kreistags stimmte zu.

ORTENAU. Der Ortenaukreis will seine Pflegestützpunkte mit mehr Personal ausstatten. Der Sozialausschuss des Kreistags genehmigte in seiner Sitzung am Dienstag weitere zweieinhalb Vollzeitstellen, die den Kreis rund 73 000 Euro kosten werden. Der Bedarf an Beratung steige seit Jahren, sagte der zuständige Dezernent im Landratsamt, Georg Benz. Für 2019 werde mit insgesamt 3600 neuen Klienten und rund 6000 Beratungskontakten gerechnet. 2012 nutzten 1871 neue Kunden das Angebot – insgesamt gab es damals knapp 2500 Beratungskontakte.

Das Ende des Trends ist nicht abzusehen. Im Landratsamt geht man davon aus, dass der Bedarf nach Beratung im Vor- und Umfeld von Pflege durch die demographische Entwicklung weiter steigen wird. Das Statistische Landesamt rechnet damit, wie es in der Vorlage für den Sozialausschuss des Kreistags heißt, dass die Zahl der Mensch über 65 im Kreis in den kommenden Jahren stark zunehmen wird, von 84 647 im Jahr 2015 auf 120 842 im Jahr 2035. Eine ähnlich starke Entwicklung erwarten die Statistiker bei den über 80-Jährigen. Deren Zahl werde von 24 540 im Jahr 2015 auf 34 776 im Jahr 2035 steigen, was einer Zunahme von 41,7 Prozent entspricht. Derselbe Trend existiere bei den Pflegebedürftigen im Kreis.

Die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf drei Vollzeitstellen seien an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, sagte Sozialdezernent Georg Benz. Deshalb müssten die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen immer häufiger Wartezeiten in Kauf nehmen. "Das ist besonders in der Pflegeberatung ein schlechter Zustand, da der Bedarfsfall nicht selten innerhalb von Tagen oder sogar Stunden eintritt, etwa nach einem Sturz oder einem Klinikaufenthalt", so Benz weiter. "Betroffene sind dann oft mit der Situation überfordert und können nicht tage- oder wochenlang auf einen Beratungstermin warten." Deshalb sollen in einer ersten Ausbaustufe 0,6 Stellen am Standort Offenburg und Lahr, 0,5 Stellen in Haslach sowie jeweils 0,4 Stellen in Achern/Oberkirch und Kehl hinzukommen. Ob das auf Dauer ausreicht, soll eine Überprüfung bis Ende 2020 klären. Durch den Ausbau entstehen zusätzliche Kosten in Höhe von rund 219 000 Euro, von denen die Kranken- und Pflegekassen zwei Drittel und der Kreis ein Drittel übernehmen müsste.

Der Sozialausschuss stimmte geschlossen für den Ausbau und würdigte die Arbeit der Pflegestützpunkte als "großen und wichtigen Schatz". Die Entwicklung sei eindeutig mit für sich sprechenden Zahlen, hieß es.

Die vor acht Jahren mit ursprünglich 1,5 Vollzeitkräften eingerichteten Pflegestützpunkte verstehen sich als wohnortnahe, unabhängige Auskunft- und Beratungsstellen für ältere, behinderte und kranke Menschen und ihre Angehörigen, die sich mit dem Thema Pflege auseinandersetzen müssen.

Sie geben kostenlose Informationen und koordinieren alle für die Versorgung und Betreuung in Betracht kommenden Angebote und helfen bei der Inanspruchnahme der Leistungen. Die Zentrale befindet sich in den Räumen des Seniorenbüros in Offenburg, Außenstellen gibt es in Achern/Oberkirch, Lahr, Kehl und Haslach, sind also über den ganzen Ortenaukreis verteilt.