Offenburger erster Fahrradstraße sollen weitere folgen

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Fr, 17. September 2021

Offenburg

In der Nordweststadt haben Radler auf 500 Metern Strecke Vorrang / Mehr Sicherheit für Schulkinder / Land beteiligt sich stark an Gesamtkosten von 50 000 Euro.

. Der Straßenzug Am Hohen Rain und Franz-Volk-Straße-West ist die erste Fahrradstraße in Offenburg. Am Mittwoch wurde sie durch Baubürgermeister Oliver Martini offiziell eröffnet. Weitere Fahrradstraßen sollen folgen.

Mit der Eröffnung der ersten Fahrradstraße fast pünktlich zum Schulanfang habe sich für die Stadt eine Herzensangelegenheit erfüllt, im Bereich um das Schulzentrum Nordwest insbesondere die radfahrenden Schülerinnen und Schüler besser zu schützen, sagte Bürgermeister Oliver Martini zur Einstimmung vor Anwohnern und Gästen. Auch zu Nicht- Schulzeiten würde, wie man gerade erleben könne, die Straße rege in Anspruch genommen.

Das rechteckige weiße Schild mit dem blauen Kreis und dem Piktogramm eines Fahrrades, darunter der Schriftzug "Fahrradstraße" weist darauf hin, dass hier besondere Regeln gelten: Fahrradfahrer haben Priorität, sie dürfen nebeneinanderfahren und geben die Geschwindigkeit vor. Maximal 30 Stundenkilometer sind erlaubt, das Befahren durch Pkw ist nur für für Anlieger und Zulieferer gestattet, überholt werden darf nur, wenn mindestens 1,50 Meter Überholabstand eingehalten werden können, Fußgängern gehört der Gehweg, radelnde Kinder unter acht Jahren müssen ebenfalls auf dem Gehweg fahren. Die Fahrradstraßen haben in der Regel Vorfahrt.

Auffallende grüne Markierungen am Straßenrand und an Kreuzungen sorgen für zusätzliche Sicherheit. Viele Eltern wünschten sich für den Schulweg ihrer Kinder Alternativen zu stark befahrenen Straßen wie der Straßburger Straße, so Martini weiter. Mit der neuen Fahrradstraße könne eine sichere Alternative angeboten werden. Auch Pendler auf dem Weg zum Bahnhof profitierten davon.

Bereits jetzt sei der Radverkehr in Offenburg mit 27 Prozent erfreulich hoch. Fahrradstraßen stünden für mehr Lebensqualität, weniger Lärm und Abgase und einen höheren Wohnwert, für mehr Sicherheit, da Autos nur langsam und mit besonderer Rücksicht fahren dürften, für mehr Entschleunigung und mehr Motivation, auf das Fahrrad umzusteigen und den innerstädtischen Kraftfahrzeugverkehr zu reduzieren. Die 500 Meter lange neue Fahrradstraße sei ein gelungenes Beispiel für vernetzte Mobilität, eine schnelle Anbindung bis fast an die Innenstadt und somit gelebte zukunftsorientieret Mobilität in Offenburg .

Die Bürgervereinigung Nordwest sorgte für Bewirtung mit Brezeln und Getränken. Einige Gäste nutzen die Gelegenheit, mit dem Bürgermeister Fragen zur Verkehrs- und Parksituation zu erörtern. Eine Bürgerin beklagte, dass Tempo 30 für die Fahrradstraße noch nicht bei allen angekommen sei, gerast würde nach wie vor. Deshalb hätte sie gern vermehrte Verkehrskontrollen.

Vor rund einem halben Jahr hat der Gemeinderat grünes Licht zur Realisierung von Fahrradstraßen in diesem und im kommenden Jahr gegeben, vorausgegangen war eine Bürgerumfrage "mit breiter Zustimmung". Auch Anwohner und betroffene Autofahrer hätten die Idee überwiegend positiv gefunden. "Geben wir dem Ganzen eine Chance", richtete Martini einen Appell an alle, die das nicht ganz so positiv sehen. "Generell befürworten wir die Fahrradstraße, allerdings mit gewissen Einschränkungen", erklärte Michael Basler von der Bürgervereinigung Nordwest. Parkplätze, die für die Anwohner wichtig sind, dürften deshalb nicht wegfallen. Positiv zu sehen sei die zusätzliche Sicherheit für Kinder, die mit dem Fahrrad unterwegs seien. Wie das in Richtung Kinzigstraße unmittelbar vor dem Schulzentrum Nord-West künftig aussehe, bleibe abzuwarten, sagte Lothar Hummel, ebenfalls von der Bürgervereinigung. Das sei eine sehr gefährliche Ecke, weil da auch viele Elterntaxis jeden Morgen unterwegs seien. Nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Rollator unterwegs ist Waltraud Braun, auch sie Mitglied der Bürgervereinigung. Sie wünscht sich, dass sie, wenn der Bürgersteig zugeparkt ist, auch mal mit dem Rollator auf der Straße fahren kann.

Als weitere Fahrradstraßen werden in diesem und in den kommenden Jahren die Straßenzüge Jahnweg-Vogesenstraße- Nord, Am Unteren Mühlbach und Zeller Straße- Ost, sowie die Kirchstraße in Elgersweier umgesetzt. Das Land gewährt für den Ausbau von Fahrradstraßen Zuschüsse und hat sich mit 80 Prozent an den Gesamtkosten von 50 000 Euro für die Umwandlung der ersten Fahrradstraße beteiligt. Damit liege der Anteil der Stadt bei 10 000 Euro.