Ohne Druck steil bergauf

David Fritsch

Von David Fritsch

Mi, 14. April 2021

Handball 3. Liga

Der gebürtige Offenburger Moritz Schade will mit dem HC Eintracht Hildesheim in die zweite Handballliga aufsteigen – und freut sich über ein bisschen Normalität.

. Sieben Halleneinheiten und zwei Corona-Schnelltests pro Woche, dazu den Fokus auf die Aufstiegsspiele für die zweite Handball-Bundesliga – das ist derzeit der Alltag des 25-jährigen Moritz Schade. Der gebürtige Offenburger steht beim HC Eintracht Hildesheim in der dritten Liga unter Vertrag und hat mit seinem Team unlängst das erste Spiel der Aufstiegsrunde gegen den MTV Braunschweig gewonnen (32:29). Er freut sich über die Rückkehr zu ein bisschen Normalität – zumindest im Handballsport.

Steiler Aufstieg

Mit vier Jahren merkte Moritz Schade, dass seine Passion das Spiel mit dem kleinen harzigen Spielgerät werden wird. "Zuerst haben mein Bruder Lukas und ich Fußball ausprobiert, doch dann sind wir zum Glück beim Handball gelandet", sagt er rückblickend mit einem Schmunzeln. Beim TuS Schutterwald hat Schade – heute 1,94 Meter groß und 110 Kilo schwer – mit Handballspielen begonnen. Von dort ging seine Karriere steil bergauf. Gemeinsam mit seiner Tante schrieb er eine Initiativbewerbung für das Handballinternat der Füchse Berlin. "Nach einem Schnuppertraining wurde ich zu weiteren Probetagen eingeladen, und so kam es dann relativ schnell zu meinem Wechsel in die Hauptstadt." Als B-Jugendlicher zog ihn der noch heute für die Füchse Berlin zuständige Bob Hanning direkt in die A-Jugend hoch, wo Schade unter anderem von den heutigen Nationalspielern Fabian Wiede und Paul Drux an das hohe Niveau herangeführt wurde. "Das war ein echter Jackpot für mich. Sie haben mich an die Hand genommen und meine Zeit sehr stark geprägt", erinnert sich der bullige Kreisläufer an seine Zeit bei den Füchsen zurück. In dieser Zeit wurde er nicht nur EHF-Cup-Sieger mit Berlin, sondern gewann mit der U-20-Nationalmannschaft auch die Silbermedaille bei der Europameisterschaft. "Das war sportlich gesehen eines meiner größten Erlebnisse."

Erfahrung in 1. und 2. Liga

Über Dessau und Lübbecke, wo Schade in Liga eins und zwei sowohl handballerisch als auch physisch und menschlich dazulernte, landete er schließlich beim HC Eintracht Hildesheim.

Nach fünf Siegen aus fünf Spielen zum Saisonbeginn im Spätjahr 2020 stoppte die Corona-Pandemie das Team. Die herausfordernde Zeit wurde zunächst mit individuellem Lauf- und Krafttraining gefüllt. Nachdem der Deutsche Handball-Bund (DHB) mittlerweile den Spielmodus festgelegt hat, ist für Schade und den HCE klar: "Unser Ziel ist es, in die zweite Liga aufzusteigen." Wenngleich Schade weiß, dass hierfür auch eine "große Portion Glück" dazugehört. Favorit ist seiner Meinung nach Eintracht Hagen – dahinter hält er den weiteren Ausgang allerdings für "völlig offen".

ohne Druck

Der Ortenauer, für den Kreisläufer Hendrik Pekeler vom Rekordmeister THW Kiel ein großes Vorbild ist, macht sich hinsichtlich seines weiteren Karriereverlaufs wenig Druck. "Natürlich verfolge ich nach wie vor das Ziel, irgendwann auch wieder in Liga eins zu spielen, dennoch wäre es für mich auch kein Beinbruch, wenn das nicht mehr klappt." Das liege vor allem daran, dass er von seiner Mutter Cosima und seinem Vater Thomas nie Druck bekommen habe. "Sie haben mir alles ermöglicht und mir gleichzeitig nie irgendwelche festen Ziele aufgedrückt", sagt Schade – und ist heute dankbar für die große Unterstützung seiner Eltern.

Mit seiner Freundin Valerie fühlt Schade sich in Hildesheim pudelwohl. "Von der Stadt waren wir positiv überrascht. Von hier aus ist man zudem schnell in Städten wie Hannover oder Hamburg, selbst Berlin ist mit dem ICE nur zwei Stunden entfernt." Die Lage seiner derzeitigen Heimat nutzte er – vor der Corona-Pandemie – für Stadionbesuche, wenn sein Lieblings-Fußballverein SC Freiburg zu Gast war. "Ich schaue mir die Spiele des SC hier im Norden gerne vor Ort an und nutze die Gelegenheit, gleichzeitig auch Freunde aus der Heimat mit ins Stadion zu nehmen."

Rückkehr in die Ortenau?

Obwohl seine Freundin und er die Schönheit des Nordens schätzen gelernt haben, sehen sich beide früher oder später wieder in der Ortenau. "Wenn ich in einem Jahr meinen Bachelor im Bereich Medien- und Kommunikationsmanagement abgeschlossen habe, wird man sehen, wie es weitergeht", sagt er. Eine Rückkehr in die Ortenau bereits nach seinem bis 2022 laufenden Vertrag in Hildesheim sei alles andere als ausgeschlossen.