USA

St. Louis kämpft gegen das Erbe des ersten US-Atombombenprogramms

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Mo, 27. November 2017 um 00:00 Uhr

Panorama

BZ Plus Uran, Thorium, Radium: Die Hinterlassenschaften des Programms zum Bau der ersten US-Atombombe bereiten den Bewohnern von St. Louis Sorgen. Doch die Behörden mauern.

Dawn Chapman muss an ein Krankenhaus denken, wenn sie das Zischen hört. Vorm Mund eine Atemschutzmaske, die Hände in die Hüften gestemmt, so steht sie an der schmalen Boenker Lane im Straßengraben vor einem Maschendrahtzaun mit Stacheldrahtkrone. Hinterm Zaun ein Gewirr aus Rohren, Schläuchen, Ventilen und Messgeräten. Es stinkt nach Tankstelle und faulen Eiern, und manchmal zischt es so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Dawn Chapman muss schreien, um den Lärm zu übertönen. "Wie ein Patient auf einer Intensivstation. Wie ein Patient, der am Tropf hängt, finden Sie nicht?" Wissenschaftler würden sich bestimmt stoßen an ihrer Wortwahl, geht es doch um eine Müllkippe, nicht um einen Schwerkranken.

Egal, Chapmans Metapher trifft es ganz gut. Der Zustand des Patienten ist kritisch. Ein unterirdischer Schwelbrand frisst sich durch die Müllberge im Nordwesten von St. Louis, das Schlauchgewirr soll helfen, ihn unter Kontrolle zu halten. Doch niemand vermag mit Gewissheit zu sagen, ob und wann das Feuer auf eine zweite, eine geheimnisumwitterte Deponie überspringt. Auf eine Müllhalde namens West Lake, die direkt an die brennende grenzt. Und wie weit es noch entfernt ist. 300 Meter? Oder nur noch 200? "Sehen Sie dort, das Wäldchen", sagt Chapman und zeigt in die Ferne, wo der Deich des Missouri River eine markante Barriere in dem flachen Land bildet. Unter den Bäumen, weiß sie mittlerweile, obwohl es Staatsgeheimnis ist, lagern radioaktive Abfälle. Vor 44 Jahren dort abgekippt, unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit. Falls es irgendwann ...

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