Istanbul

Familien feiern ausgelassen die Beschneidung der Söhne

Cigdem Akyol

Von Cigdem Akyol

Do, 05. März 2015

Panorama

Im Palast "Sünnet Sarayi" in Istanbul feiern die Familien ausgelassen die Beschneidung der Söhne – dank örtlicher Betäubung geht es glimpflich ab.

Gleich wird es blutig. Dann müssen die sieben Jungs im weißen Prinzenkostüm und mit turbanähnlichem Hut auf dem Kopf zu dem Mann mit dem Skalpell, einer nach dem anderen. Während ihre Eltern ihnen auf der Bühne die kleinen Hände halten, zieht ihnen der Beschneider die Hose herunter. Die Jungs schauen stolz und unsicher zugleich, als sich der glatzköpfige Mann mit dem tätowierten Unterarm über ihren entblößten Schoß beugt. Endlich sind der Clown, der Sänger und der Keyboardspieler einmal still. Nur ein dicker Imam auf der Bühne spricht ein Gebet. Mütter weinen still. Es riecht nach Desinfektionsmittel und verbranntem Fleisch.

Alltag für Levend Özkan, der in einem weißen Kittel an der Eingangstür des kreisrunden fensterlosen Saales in Istanbul steht. An einem Sonntag gegen 14 Uhr schaut er sich das Spektakel lächelnd an. Er ist hier aufgewachsen, zwischen dem Kitsch, den aufgeregten Familien und dem kleinen OP-Raum. "Für mich ist all das hier ganz normal", sagt er leise. "Noch vor meinem Medizinstudium habe ich hier alles Wichtige für meinen Beruf gelernt."

Der Urologe hat noch etwas Zeit, bis er mit seiner Arbeit an der Reihe ist. Der Vierzigjährige ist zuständig für den allerletzten Schritt, für die Naht nach der Operation. Der Mann oben auf der Bühne, der unter dem Neonlicht im Akkord Vorhäute wegschneidet, ist sein älterer Bruder Murat, ein Betriebswirt.

Den beiden gehört das "Sünnet Sarayi" – der "Beschneidungspalast" im Istanbuler Nobelviertel Levent, ein unauffälliges Gebäude neben zwei schwer bewachten arabischen Konsulaten. In der Türkei und in ihrer speziellen Branche sind die Brüder die Stars schlechthin, mit Beschneidungspartys ...

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