Beispiel Markgräflerland

Herrenlose Katzen haben ein schweres Los – auch in Südbaden

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Di, 25. Juni 2019 um 13:43 Uhr

Südwest

Sie leben versteckt, sind oft krank, verletzt und unterernährt: Katzen, die kein festes Zuhause haben. Tierschutzverein kümmern sich um sie – etwa im Markgräflerland.

Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren. Doch nicht alle haben ein Zuhause und jemanden, der sich um sie kümmert. Herrenlose Katzen haben den Kontakt zum Menschen verloren, sie sind scheu, oft krank, verletzt oder unterernährt. Viel tun kann man meist nicht, nur das Elend dieser Katzen lindern. Der Tierschutzverein Markgräflerland kümmert sich hier in der Region um sie, sorgt nach Möglichkeit dafür, dass sie kastriert und medizinisch behandelt werden. Und auch Privatleute helfen.

Seit mehr als zehn Jahren kümmert sich Ymme Schaffner um herrenlose Katzen

Regelmäßig fährt Ymme Schaffner nach Dattingen, um die Katzen zu füttern. Immer am gleichen Platz, damit die sie sie auch finden, aber zu unregelmäßigen Zeiten. Wenn sie dort ist, ruft sie die Tiere – und diese kommen. Seit mehr als zehn Jahren kümmert sich die Müllheimerin um die herrenlosen Katzen. Ihre Vorgängerin hatte sie eines Tages darum gebeten, diese Aufgabe von ihr zu übernehmen.

Rund zwei Millionen herrenlose Katzen leben laut dem Deutschen Tierschutzbund in Deutschland auf der Straße, in Hinterhöfen oder verlassenen Gebäuden. Es sind keine Wildkatzen, sondern ehemalige Hauskatzen, die ausgesetzt wurden oder zurückgelassen, weil der Besitzer weggezogen ist, deren Nachkommen oder die nicht kastrierter Freigänger. Viele von ihnen haben Verletzungen, sind krank oder unterernährt – als Haustiere haben sie verlernt, sich vollständig selbst zu versorgen.

Zwei Millionen Katzen in Deutschland haben keinen Kontakt zum Menschen

Die Katzen haben keinen Kontakt mehr zum Menschen, sind scheu, leben versteckt. Viele sind nicht kastriert, daher vermehren sie sich – und der traurige Kreislauf setzt sich fort. "Sie haben ein sehr hartes Leben, viele sterben qualvoll", sagt Sonia Lühring, Vorstandsmitglied beim Tierschutzverein Markgräflerland mit Sitz in Buggingen. Oft seien die Tiere durch den Verlust ihres Zuhauses traumatisiert. Denn obwohl Katzen freiheitsliebende Tiere sind, brauchen sie ein Heim, in das sie zurückkehren können und in dem sie sich sicher fühlen.

Aufnehmen kann man Katzen, die schon lange frei leben, zumeist nicht. Sie sind es nicht mehr gewöhnt, in einem Haus oder einer Wohnung zu leben, und würden sich dort nicht mehr wohlfühlen. Der Tierschutzverein Markgräflerland sucht daher immer Menschen, die ein großes eingezäuntes Grundstück haben, wo die Katzen unabhängig aber behütet leben können. Doch das gibt es selten, bedauert Lühring.

Tierschutzverein darf Fallen aufstellen – um den Vierbeinern zu helfen

Eine Kastration ist wichtig, damit die Zahl verwilderter Katzen nach und nach abnehmen kann. Wer eine verletzte und nicht kastrierte Katze sieht, die offenbar niemandem gehört, sollte diese dem örtlichen Tierschutzverein melden. Der Tierschutzverein Markgräflerland stellt regelmäßig Fallen auf, um wilde Katzen zu fangen, zu kastrieren und Verletzungen und Krankheiten zu behandeln. Der Verein ist dazu autorisiert, das Aufstellen von Fallen ist ansonsten verboten. "Das ist mittlerweile unser täglich Brot geworden", sagt Lühring. Eine Möglichkeit ist es auch, die Katzen an bestimmten Stellen regelmäßig zu füttern, so wie es Ymme Schaffner tut. Das wirkt nicht nur der Unterernährung entgegen; so hat man laut Lühring auch ein Auge auf die Tiere. Man sieht, welche Katzen regelmäßig kommen, wie viele und in welchem Zustand sie sind. Bei Bedarf können die Katzen dabei eingefangen und zum Tierarzt gebracht werden. So macht man den Tieren das Leben zumindest leichter.

Aber nicht alle finden solche Fütteraktionen gut. Neben viel Lob und Wohlwollen hat Schaffner schon einige negative Reaktionen bekommen. Was das soll, hieß es, und dass die Katzen lästig seien. Dabei ist das Problem menschgemacht. Ihr Eindruck ist auch, dass in jüngster Zeit vermehrt Katzen sterben oder verschwinden. Bis zu zehn waren es noch vor zwei Jahren, mittlerweile sind es nur noch zwei. Ganz ausschließen kann Sonia Lühring nicht, dass es Menschen gibt, die die Katzen mit Giftködern vergiften, ähnlich wie das bei Hunden immer wieder vorkommt. Absicht unterstellen, möchte sie aber auch nicht. "Es kann auch sein, dass die Katzen vor lauter Hunger etwas fressen, das sie nicht vertragen und daran zugrunde gehen." Ein Problem für den Menschen stellen die frei lebenden Katzen laut Lühring nicht dar. Richtig schlimm sei es für die Katzen selbst; doch da sie sehr scheu sind, eher wegrennen und sich verstecken, werden sie dem Menschen nicht gefährlich. Einzig Haustierbesitzer sollten in Bezug auf die herrenlosen Katzen wachsam sein. Da die meisten nicht kastriert sind, dazu immungeschwächt, stecken sie sich gegenseitig über Geschlechtsverkehr oder Blut mit Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Leukose, auch Katzenleukämie genannt an. Kommen sie in Kontakt mit Freigängern, kann es zur Übertragung kommen. Teilweise kann eine Impfung helfen.

Tierschutzbund spricht sich für Kastrationspflicht aus

Der Deutsche Tierschutzbund spricht sich für eine möglichst flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen aus, um das Problem der immer weiter wachsenden Katzenpopulation einzudämmen. Auch zum Schutz der Singvögel, die immer wieder Katzen zum Opfer fallen. In einigen Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, gibt es mittlerweile die Möglichkeit, eine Katzenschutzverordnung nach dem Tierschutzgesetz zu erlassen, die etwa eine Kastrations- und Registrierungspflicht mit sich bringen würde.

Die Stadt Müllheim hat bisher keine derartige kommunale Verordnung. Vermutlich, sagt Hauptdezernent Dominik Fröhlin, habe man dazu in Mülheim aufgrund der geringen Zahlen keine Veranlassung gesehen. In Baden-Württemberg hat bisher nur die Gemeinde Berglen im Rems-Murr-Kreis eine Katzenschutzverordnung veranlasst.

Sonia Lühring vom Tierschutzverein Markgräflerland appelliert indessen an potenzielle künftige Haustierbesitzer, sich bewusst zu machen, dass ein Tier Verantwortung bedeutet. Und das, bevor man sich eines anschafft.