Gedenkzeremonie

Japan trauert um Fukushima-Opfer

dpa

Von dpa

Mo, 11. März 2019 um 20:16 Uhr

Panorama

Mit Gebeten und einer Schweigeminute hat Japan der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor acht Jahren gedacht.

Um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) legten die Menschen bei einer staatlichen Gedenkzeremonie in Tokio sowie an vielen anderen Orten des Landes eine Schweigeminute ein.

Genau zu dieser Uhrzeit hatte am 11. März 2011 das Beben die Region Tohoku im Nordosten des Landes erschüttert. Eine gigantische Flutwelle bäumte sich damals an der Pazifikküste auf und walzte alles nieder: Häuser, Häfen, Schulen, Friedhöfe. Dörfer, Städte und riesige Anbauflächen versanken in den Wasser- und Schlammmassen. Etwa 20 000 Menschen starben. In Fukushima kam es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu Kernschmelzen.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte bei der Gedenkfeier im Nationaltheater von Tokio, der Wiederaufbau der Katastrophenregion mache "stetig Fortschritte". Im kommenden Jahr richtet das Land die Olympischen Spiele aus, die Auftaktspiele im Baseball und Softball sollen in Fukushima stattfinden. Von den 470 000 Menschen, die zwischenzeitlich wegen der Dreifach-Katastrophe fliehen mussten, leben jedoch noch immer 52 000 Menschen nicht wieder in ihrer Heimat. Rund 1300 Betroffene sind weiterhin in Behelfsunterkünften untergebracht. Grund sind unter anderem Verzögerungen beim Bau von Ersatzwohnungen und finanzielle Probleme.

Rund 2500 der Opfer gelten auch nach acht Jahren offiziell als vermisst. Noch immer werden Suchaktionen organisiert. In Japan können die Menschen den Tod nur akzeptieren, wenn die Gebeine gefunden werden. "Ich habe immer noch das Gefühl, dass er eines Tages plötzlich auftaucht", erzählt eine 20-jährige Japanerin, deren Bruder vom Tsunami fortgerissen worden war, Reportern. Bei Regen und stürmischen Böen beteten Überlebende und Angehörige am Montag für die Opfer. Die Unglücksregion soll heute unter anderem dank einer riesigen Tsunami-Schutzmauer besser gegen solche Katastrophen geschützt sein.

In Fukushima hat die Regierung die Evakuierungsanordnungen für viele der Gemeinden nahe der Atomruine zwar inzwischen aufgehoben, nachdem der Staat weite Gebiete hatte dekontaminieren lassen. Doch nur wenige frühere Anwohner sind bislang in ihre früheren Häuser zurückgekehrt. Derweil berichtet der Atombetreiber Tepco von "deutlichen Fortschritten" in der Atomruine. Die Strahlenwerte auf dem Gelände seien deutlich gesenkt worden. Tepco hofft, mit der Bergung des geschmolzenen Brennstoffs aus den Reaktoren im Jahr 2021 beginnen zu können. Bis die Atomruine völlig zurückgebaut ist, wird es aber noch Jahrzehnte dauern.