Wissenschaft

Leichen im Keller: Kölner Anatomie in der Kritik

Claudia Hauser und Michael Brendler

Von Claudia Hauser & Michael Brendler

Do, 15. März 2012 um 00:01 Uhr

Panorama

Namenlose Tote, vergessene Körper und ein Professor, den der Skandal in seinem Institut in den Suizid trieb – die Kölner Anatomie macht schaurige Schlagzeilen.

Die Toten im weiß gekachelten Präparationssaal des Anatomischen Instituts haben keine Namen mehr – nur Nummern. Die Körper sind nach der monatelangen Lagerung im Formaldehyd-Bad gelblich, die Köpfe rasiert, die Gesichter maskenhaft. Wer seine leiblichen Überreste nach seinem Tod einer Uniklinik zur Verfügung stellt, bleibt anonym – auch für die Medizinstudenten, die diesen Leib über Monate bis in das kleinste Detail studieren. Sie kennen lediglich Alter und Geschlecht.

Der Respekt vor den Körperspendern steht an oberster Stelle – heißt es auf der Homepage der Kölner Universität. Und so haben es die Professoren ihren Studenten bisher auch beigebracht. "Wir achten strikt auf einen angemessenen und würdevollen Umgang mit den uns zur Verfügung gestellten Körpern", versichern die Institutsverantwortlichen im Internet der Öffentlichkeit.

Ein ethischer Grundsatz, der sich für ein akademisches Institut nicht nur von selbst verstehen sollte, für eine Uniklinik ist er sogar überlebenswichtig. Auch 2400 Jahre nach Ärzteahn Hippokrates ist noch niemand ein Verfahren eingefallen, das ähnlich plastisch und erfolgreich den zukünftigen Medizinern eine Vorstellung davon vermittelt, wo die Adern, Muskeln und Knochen verlaufen, die sie später in ihrem Berufsleben einmal heilen und womöglich sogar operieren sollen.

"Wir gehen lediglich von

einer problematischen

Aktenführung als Grund aus."

Der Dekan über die "Versäumnisse" Umso erschreckender ist es, dass genau dieser ethische Grundsatz des würdevollen Umgangs mit den Toten in Köln nun verletzt worden sein soll. Wobei dieses Wort fast noch zu harmlos klingt angesichts von Toten, die vergessen in den Kammern des Instituts auf ihre ...

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