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Entomologie

Suche nach den Gründen fürs Insektensterben

Mitteleuropa erlebt ein beispielloses Massen- und Artensterben der Insekten. Scharenweise sind Hummeln, Libellen, Schmetterlinge, Falter, Mücken und Käfer verschwunden.

  • Rückennummer 35: Forscher haben eine Biene markiert, um ihren Weg zu verfolgen. Foto: dpa(2)

Manche sagen, man könne das Drama bereits hören. Beziehungsweise eben nicht. Man müsse nur die Augen schließen und lauschen. Leiser sei der Sommer geworden, beinahe still. Immer seltener höre man das Summen der Bienen, das Brummen der Hummeln, das Zirpen der Grillen. Sie werden weniger. Sie sterben lautlos.

Entomologen jedenfalls sind zutiefst beunruhigt. Denn Mitteleuropa erlebt ein beispielloses Massen- und Artensterben der Insekten. Scharenweise sind Hummeln, Libellen, Schmetterlinge, Falter, Mücken und Käfer verschwunden. Wie viele genau, wissen die Insektenkundler selbst noch nicht. Welche Arten besonders betroffen sind und warum – alles unklar. Flächendeckende Bestandszahlen und systematische Forschungsreihen gibt es praktisch nicht, landesweit existiert kein lückenloses Langzeitmonitoring. Das liegt auch am Objekt selbst: Fliegen lassen sich nun mal schlechter zählen als Krähen oder Biber.

Wer über das Ausmaß des Sterbens mehr erfahren möchte, muss nach Krefeld am Niederrhein fahren, dort hat der Entomologische Verein seinen Sitz. Seit Jahrzehnten führen die Hobbyforscher Buch über die Insektenwelt. Der Verein ist längst eine Institution. Einige seiner Mitglieder würden sich besser auskennen als mancher Universitätsprofessor, sagt man.

Das Vereinsgebäude liegt in einem Gründerzeitviertel. Man läuft an einem Kiosk vorbei, passiert ein Tattoo-Studio und sieht auf der anderen Straßenseite einen verstaubten Land Rover, älteres Modell. Er parkt vor einem Schulhaus aus der Kaiserzeit und gehört dem Entomologen Martin Sorg, der seinen Gast umstandslos ins Gebäude führt. Der promovierte Biologe stellt sich als "Aktivist" vor. Sorg, 62, lange Haare, Nickelbrille, Wanderschuhe, sieht dem Klischee eines Insektenforschers erstaunlich ähnlich.

Drinnen sind die Fenster mit blauen Vorhängen abgedunkelt, damit UV-Strahlung nicht hereindringt. Es riecht leicht muffig, ein wenig nach Gruft. Sorg geht voran, in den ersten Stock, wo die wichtigsten Exponate lagern. Mehr als eine Million Trockenpräparate hat die Krefelder Sammlung, akribisch geordnet und archiviert in kleinen Holzkästchen. Der große Rest von schätzungsweise zwanzig bis vierzig Millionen Insekten wird in Plastikgefäßen im zweiten Stock aufbewahrt und schwimmt noch in der konservierenden Alkohollösung.

Auf ihr Archiv sind sie beim ...

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